Lektüreseminar ›Schwarze Spiegel‹

Dienstag, 20. Oktober 2020

Vom 30. April bis 2. Mai 2021 veranstaltet die Arno Schmidt Stiftung ein weiteres Lektüreseminar im Nordkolleg Rendsburg. Diesmal geht es um ›Schwarze Spiegel‹. – Ankündigungstext:

»Lichter? (ich hob mich auf den Pedalen) – : – Nirgends. (Also wie immer seit den fünf Jahren).«

So beginnt der Endzeittext »Schwarze Spiegel« (1951) – der letzte Überlebende nach dem Atomkrieg streift durch Norddeutschland. In diesem frühen Roman Arno Schmidts wird die menschenleere Welt nicht als Schreckensszenario beschrieben, vielmehr erklärt der Erzähler, es sei »doch richtig so«.

Der Text wird in gemeinsamer Lektüre erarbeitet. Dabei wird es um die Mikrostruktur des Textes ebenso gehen wie um die Gesamtkonzeption. Weitere Themen sind die Haltung des Erzählers, Utopie und Dystopie und die Verortung des Romans in Schmidts Gesamtwerk.

Anmeldungen sind auf der Webseite des Nordkollegs möglich.

›Nobodaddy’s Kinder‹ als Hörspiel zum Download

Sonntag, 18. Oktober 2020

1997/1998 richtete Klaus Buhlert Schmidts die Trilogie ›Nobodaddy’s Kinder‹ – also ›Aus dem Leben eines Fauns‹, ›Brand’s Haide‹ und ›Schwarze Spiegel‹ – für den Bayerischen Rundfunk als rund eineinhalbstündige Hörspiele ein.

Diese Hörspiele werden von den verschiedenen Rundfunksendern gelegentlich wiederholt – aktuell brachte etwa der Deutschlandfunk ›Schwarze Spiegel‹ –, aber nicht immer auch als Podcast bzw. zum Download bereitgestellt.

In der ASml wies Wolfgang Behrens nun dankenswerterweise darauf hin, dass alle drei Produktionen beim Bayerischen Rundfunk geladen werden können, nämlich hier: Nobodaddy’s Kinder.

Neuauflage von BA I, 1

Samstag, 3. Oktober 2020

Die Arno Schmidt Stiftung notiert in ihrem Blog am 1. Oktober:

Die Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidt sollte stets lieferbar sein, deswegen gibt es jetzt eine korrigierte Neuauflage von Band 1!

Eine Liste mit den (vermutlich) vorgenommenen Korrekturen findet sich in Sup I, S. 405–407.

Das Brockengespenst

Samstag, 3. Oktober 2020

Am 1./2. Januar 1963 besuchte Hans Wollschläger Arno Schmidt in Bargfeld. Zu diesem Besuch legte Schmidt ein Protokoll an, in dem er sich die Neuigkeiten zu Karl May notierte, die er von Wollschläger erfahren hatte. Unter Punkt 12 heißt es da:

Eine frühe Bekanntschaft aus den Jahren 1884 ein tauber Ingenieur namens Nehse: dessen Name erscheint im GEIST; denn er war der Sohn jenes ›Brockenwirtes‹, der das ›Brockengespenst‹ erklärt hat! Die Beiden unterhielten sich mit Hülfe eines sogen. ›Konversationsbuches‹ und das ist samt zahlreichen interessanten Marginalien erhalten. Hier schon die Bildung OS=KBN und ihrer Taten & Vielsprachigkeit zu verfolgen. (Das ›brockengespenst‹ sah übrigens SILBERSCHLAG 1780 zum erstenmale; d.h. beschrieb es.)
Briefe IV, S. 932

Wollschlägers Information hinterließ prompt Spuren in Schmidts Werk. Im März 1963 schrieb er ›Die Abenteuer in der Sylvesternacht‹. Darin heißt es:

Was iss=iss für Schnee?: stammt er aus tiefer Luft, vom Dümmer her? Kommt er vom Harz, wo das Gespenst brockt, nehst & silberschlackt?

Das »Brockengespenst« ist ein optisches Phänomen, das erstmals von Johann Esaias Silberschlag (dessen ›Geogonie‹ in ›Kaff‹ eine große Rolle spielt) beschrieben wurde. May erwähnt das Brockengespenst und Nehse in ›Der Geist des Llano estakata‹ (1888):

Er setzte sich zu Fred. Dieser meinte lächelnd:

»So groß braucht dein Entsetzen nicht zu sein. Die Erscheinung, welche wir hatten, läßt sich vielleicht auf ganz natürlichem Wege erklären. Denke doch nur an das Brockengespenst, dessen Entstehung der Brockenwirt Nehse so überzeugend nachgewiesen hat!«

»Nehse? Den kenne ich ooch. Sein Sohn is een berühmter Civilingenieur und wohnt in Blasewitz. Er hatte die Ehre, mich off eener Landpartie nach Moritzburg zu treffen und mir grad über das Brockengeschpenst seinen achtungsvollsten Vortrag zu halten. Das is eene harzreiche Lufterscheinung, halb Ozon und halb Sauerschtoff, die sich in der Atmosphäre niederschlägt und dann vom Nebel in glühende Hagelkörner offgelöst wird. […]

KMW, III, 1, S. 540

Bargfelder Bote, Lfg. 453–454

Freitag, 4. September 2020

Die Lieferung 453–454 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. – Inhalt:

  • Stephan Kraft, ›»Gipp ammall BILD.« Zur Initialzündung der Doppelhandlung in Arno Schmidts »Kaff auch Mare Crisium«‹
  • Rudi Schweikert, ›Rhythmisches Zitieren, Anspielungsverzahnungen – und mehr »Inferno« als »Faust«. Zu Arno Schmidts Radler-Geschichte »Nebenmond und rosa Augen«‹
  • Kai U. Jürgens, ›Befreites Schreiben im Spätwerk‹ (Rez. zu Günther Flemming, ›Orpheus‹)
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

›Enthymesis‹ als Hörstück

Mittwoch, 15. Juli 2020

2014 brachte der Schauspieler Richard Gonlag ›Enthymesis‹ als Einpersonenstück auf die Bühne. Aufführungen gab es in Bargfeld, Berlin, Biberach, Friedrichshafen und Rostock. Jetzt hat Gonlag ›Enthymesis‹ als rund eineinhalbstündiges Hörstück eingerichtet und bei Soundcloud, Spotify und als Podcast bei Apple veröffentlicht. Das Stück kann bis zum 13. Oktober abgerufen werden.

Etwas zu ›Der Gang zu jenen Höhn‹

Samstag, 11. Juli 2020

Inzwischen habe ich den neuen Band von Wollschlägers ›Schriften in Einzelausgaben‹ vorliegen und kann etwas zum Inhalt sagen (ein detailliertes Inhaltsverzeichnis findet sich in der Hans-Wollschläger-Bibliographie). Mit 440 Seiten ist er einer der umfangreicheren Bände der Werkausgabe. Er enthält nicht nur Texte, die man vermutlich schon kennt und in anderer Form besitzt (›Wiedersehen mit Dr. F.‹, ›Die Instanz K. K.‹ oder ›Am Ende eines »Weltalltags«‹), sondern auch eine Reihe von Arbeiten für Zeitungen und Zeitschriften, die bislang noch nicht in Buchform vorlagen. Schön, dass diese Texte jetzt in einer leicht erreich- und zitierbaren Ausgabe verfügbar sind.

Der Band stellt, so der Klappentext

die private und gänzlich subjektive Literaturgeschichte des Autor und besessenen Lesers Wollschläger vor

aber eine wie auch immer geartete »geschlossene Darstellung« darf man hier nicht erwarten (was bei einem Autor wie Hans Wollschläger, der anscheinend eine heilige Scheu davor hatte, etwas »abschließend« zu formulieren und dessen Denken im permanenten Fluss war, auch nicht wirklich überrascht).

Zu den beiden Wollschläger prägenden Autoren Arno Schmidt und Karl May liegen bereits Bände in der Werkausgabe vor – wenn auch speziell zu Karl May leider immer noch gar nicht mal so wenig kleinere und nicht ganz so kleine Texte fehlen –, ›Der Gang zu jenen Höhn‹ versammelt nun Texte zu einigen anderen Autoren.

Der größte Teil des Bandes – nämlich rund 150 Seiten – widmet sich Friedrich Rückert, rund 70 Seiten gehören James Joyce, jeweils rund 50 Seiten beschäftigen sich mit Karl Kraus und Thomas Mann. Auf den restlichen 120 Seiten geht es um Jean Paul, E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Friedrich Nietzsche und John Miltons ›Lost Paradise‹ bzw. dessen Rezeption. So unterschiedlich die Anlässe, so ähnlich sind sich doch alle Arbeiten in der Grundstruktur, immer münden sie, durchaus typisch für Wollschläger, im Großen Ganzen und deuten weit über den konkreten Gegenstand hinausweisende Überlegungen an.

Mit dabei sind mit ›»The Man that was Used up«‹ und ››Ecce Homo‹ – Zur Krankheit Friedrich Nietzsches‹ auch zwei recht frühe Texte, die seinerzeit in ›Lynx‹ erschienen sind und seither eher nur als Gerücht kursierten. (Von ›Lynx‹ war für Herbst 2019 ein Reprint angekündigt, aber daraus ist bislang wohl nichts geworden.)

Zu ›»The Man that was Used up«‹ schrieb Wollschläger am 4. November 1965 an Arno Schmidt:

Anbei nun zwei Skripte zu POE –: einmal meine Anmerkungen zu Schuhmann’s Apparat – und dann das von Müller geforderte ›Nachwort des Übersetzers‹: ich habe es bei halber Betäubung und mit entsprechender Reizbarkeit hingetippt und bin unsicher, ob es so akzeptabel ist –: wenn nicht, rufen Sie bitte ohne Rücksicht Ihr entscheidendes ›Nein!‹
Briefe IV, S. 746

Ein »entscheidendes ›Nein!‹« rief Schmidt zwar nicht, er riet aber dennoch unmissverständlich ab. Das Nachwort sei zwar »nicht schlecht«, aber:

hinter einer POE-Ausgabe-selbst natürlich etwas olalá. Dergleichen plaziert man, (zumal wenn der (durchaus berechtigte!) Überdruß des philmonadigen Übersetzers so unüberhörbar zum Ausdruck kommt), doch besser–richtiger–gerechter in einer kleinen Rundfunksendung, oder einer großen Zeitung: der bloße räumliche Abstand vom Buche–selbst, bringt sofort Alles ins gleiche.
Briefe IV, S. 750

Liest man den nun bequem vorliegenden Text, leuchten Schmidts Bedenken sofort ein, formuliert Wollschläger hier doch scharfe Kritik an Poes Stil, die er zuvor in Briefen an Schmidt vorbrachte (vgl. hier etwa Wollschlägers Brief vom 21. Dezember 1964, Briefe IV, S. 716–721) und die als Nachwort einer Poe-Ausgabe nun wirklich »etwas olalá« gewesen wäre.

Die in diesem Band erstmals veröffentlichen Notizen ›Entering Finnegans Wake‹ bieten grundsätzliche Überlegungen zur Frage, was einen »modernen Roman« ausmache, bei denen auch das Spätwerk Arno Schmidts am Rand erwähnt wird. Lesern Wollschlägers wird der Text zwar neu sein, aber dennoch vertraut vorkommen, finden sich die hier vorgebrachten Punkte doch auch in der ein oder anderen Form verstreut in anderen Texten und Interviews Wollschlägers.

Bargfelder Bote, Lfg. 451–452

Freitag, 10. Juli 2020

Die Lieferung 451–452 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. – Inhalt:

  • Winand Herzog, Ein Birnbaum und eine ›Fontaine de Jouvence‹. Wie und warum Arno Schmidt Fontane zitiert
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Rätselhafte Klingelzüge

Sonntag, 5. Juli 2020

In ›Sitara und der Weg dorthin‹ führt Schmidt einmal folgende Passage für die sexuelle Unterfütterung von Mays Texten an:

Das ist einmal ein Korb am Strick, von dem Mil’chen sich ausdrückt: »Den Strick behält man, wenn er abgeleiert ist, in der Hand, um fühlen zu können, wenn von unten an demselben gezogen wird.« Schon recht; aber hier die zweite Strippe, daneben?: »Im Falle daß Eines von uns in die Höhle kommt, so steigen wir am Baume herauf, und ziehen hier an dem Klingeldraht. Dann hört Derjenige, der hier verborgen ist, das Klingeln und kann über unser Erscheinen, da es ihm auf diese Weise angekündigt worden ist, nicht erschrecken.› – ‹Schwesterchen, ich muß Dir eingestehen, daß ihr alles auf das vortrefflichste eingerichtet habt!›«. Abgesehen, daß bereits Herr ‹Suteminn› ähnlich an 2 Rosenranken zupfte (vgl. S. 62), gibt es noch ein ganz bestimmtes Gedicht, von dem alten genialischen Spitzbuben, dem Wilhelm Busch, dem man die Bedeutung solcher ‹Klingelzüge› und ‹abgeleierten Stricke› entnehmen kann.

Ich muss zugeben, dass mir solche zweideutig sein sollende Passagen mitunter rätselhaft bleiben und sich mir die doppelbödigen Sinnebenen, die Schmidt hier anscheinend wahrnahm, erst nach einigem Nachdenken erschließen (manchmal auch überhaupt nicht). Der »abgeleierte Strick« in Frauenhand ist noch einfach – ein erschlaffter Penis nach der Ejakulation –, und vermutlich sah Schmidt auch im Klingelzug einmal mehr »Peniden, nichts als Peniden« (›Die Schule der Atheisten‹, BA IV, 2, S. 40).

Interessanter als Schmidts hypersensibles Gespür für Mehrdeutigkeiten scheint mir hier allerdings etwas anderes, nämlich die Bezugnahme auf »ein ganz bestimmtes Gedicht« Wilhelm Buschs: Das nämlich gibt es nicht.

Die zitierte Passage stammt aus Mays Kolportage-Roman ›Deutsche Herzen, deutsche Helden‹ (S. 2036), auf die Schmidt durch Hans Wollschläger in einem Brief vom 24. Juli 1962 – also während der Arbeit an ›Sitara‹ – aufmerksam gemacht wurde. Hier findet sich nicht nur der Verweis auf das (angebliche) Gedicht Wilhelm Buschs, auch Schmidts Titulierung Buschs als »alten genialischen Spitzuben« verdankt sich wohl diesem Brief:

(– noch eine Organ-Abbildung –: DEUTSCHE HERZEN Band V, S. 382 ff., wo man wieder an einem Baumstamm in die Höhe klettern muß, um die Höhle zu erreichen: und wieder ist die ›Führerin‹ ein weibliches Wesen, das sich dann zurückzieht … Auch ein ›Klingelzug‹ ist vorhanden –: und das assoziiert einmal mehr: Sie kennen die witzigen Verse, die der alte Halunke Wilhelm Busch über den ›Bezug‹ gemacht hat – ? (sie stehen freilich in keiner einzigen der Gesamtausgaben –, wie üblich) … )
Briefe IV, S. 473

Wollschläger verrät leider nicht, welches Gedicht Wilhelm Buschs er hier im Sinn hat, im weiteren Verlauf des Briefwechsel spielt es auch keine Rolle mehr.

Erst Jahre später, lange nach Schmidts Tod, meinte sich Wollschläger erinnern zu können, folgendes Gedicht gemeint zu haben:

Klingelzug an Häuserwand,
Weiberbrust in Männerhand:
Sind einander nah verwandt.
Tut man sie nur leis’ berühren,
Kann man’s gleich im Innern spüren:
Drunten muß doch Einer stehn,
Der begehrt, hinein zu gehn.
Briefe IV, S. 473, Anm.

Dieses Gedicht steht in der Tat in »keiner einzigen der Gesamtausgaben« Wilhelm Buschs, handelt es sich hier doch wohl eher um ein Produkt dessen, was Peter Rühmkorf das »Volksvermögen« genannt hat: Um schlüpfrige Spaßverse, deren Ursprung im Dunkeln liegen und denen man zur Legitimation und eigenen moralischen Entlastung einen großen Namen anklebt – Wilhelm Busch, zum Beispiel (wer ein wenig herumstöbert, findet auch Goethe als vermeintlichen Urheber).

Bleibt noch die Frage, ob Schmidt dieses Gedicht gekannt und Wollschlägers Anspielung verstanden hat, wie dieser sie meinte. Schmidts nonchalante Anspielung auf das vorgebliche Gedicht Wilhelm Buschs nährt, fürchte ich, allerdings ein wenig den Verdacht, dass Schmidt sich hier einfach auf Wollschläger verließ und den Hinweis aufnahm, weil er ihm gerade so schön in den argumentatorischen Kram passte.

Hummersuppe und Champagner

Freitag, 3. Juli 2020

Im Dialog ›… denn ›wallflower‹ heißt ›Goldlack‹‹ vom Juli 1971 heißt es einmal:

Verleger & BuchHändler: Die freilich trinken ihren Wein (bzw. löffeln ihre HummerSuppe) aus Unsern Schädeln.

Eine ähnliche Formulierung findet sich In ›Abend mit Goldrand‹ (1974/75). Hier schwadroniert Egg:

an dem NichtErfolg meiner Bücher wird man dereinst den KulturTiefstand des deutschen Volkes demonstrieren, und wie es seine besten Köpfe nie verstand; (indes d Verleger ihre HummerSuppe aus AutorenSchädeln löffelt’n – aber dies nur nebenbei)

Dieses Bild vom Verleger, der sich an edlen Gerichten aus den Schädeln seiner Autoren delektiert, gehört zu den bekannteren Formulierungen Schmidts und wurde ihm jüngst in dieser Form untergeschoben:

»Die Verleger trinken Sekt aus den Hirnschalen ihrer Autoren.« Arno Schmidt

Das ist natürlich Quatsch und verdankt sich wohl einer schon getrübten Quelle, führt aber auf die richtige Spur, handelt es sich bei dem angeblichen Schmidtzitat doch um eine Variation eines bekannten Aphorismus’:

Verleger trinken Champagner aus den Hirnschalen ihrer Autoren

Von wem diese Aperçu eigentlich stammt, lässt sich nicht ausmachen (jedenfalls nicht von mir vom heimischen Schreibtisch aus; Google Books wirft dazu eine ganze Reihe von Treffern aus, die das Zitat aber entweder ohne Quellenangabe oder mit Verweis auf andere, mir jetzt nicht zugängliche Publikationen anführen).

Sicher scheint jedenfalls: von Schmidt stammt es nicht. Von Tucholsky oder Erich Kuby, denen es ebenfalls gelegentlich zugeschrieben wird, auch nicht. Bei Tucholsky ist es überhaupt nicht nachweisbar, für Erich Kuby führt die Wikipedia lediglich einen inzwischen nicht mehr korrekten Link zu »dradio.de, 12. September 2005« an. Der Link führt jetzt zur Startseite der ›Kulturpresseschau‹ – gut möglich, dass dort 2005 Erich Kuby mit diesem Zitat angeführt wurde, gut möglich auch, dass auch damals ein valider Nachweis gefehlt hat.

Den frühesten Nachweis hat Friedhelm Rathjen aufgetan, der bei Google Books einen Beleg aus dem Jahr 1958 gefunden hat, bei dem das Zitat (leider ohne konkreten Nachweis) dem Germanisten Friedrich Gundolf (1880–1931) zugewiesen wird.

Sicher ist schließlich auch dies: Die »HummerSuppe« ist eine genuine Schmidt-Zutat – lt. Auskunft von Susanne Fischer handelt es sich hier um eine Spitze gegen Schmidts Verleger Ernst Krawehl, der eine Vorliebe für Hummersuppe hatte.