Noch einmal ›Ulysses in Deutschland‹

16. Juni 2018, 11.04 Uhr

Zum heutigen Bloomsday referiert Lothar Müller noch eimal den Streit um die neue Ulysses-Ausgabe, die nun in einer Auflage von 200 Exemplaren an Bibliotheken und Unis ausgeliefert wurde. Arno Schmidt kommt natürlich auch vor:

Arno Schmidt, in dessen Geist Hans Wollschläger arbeitete, hätte das halblebendige Wesen des Buches womöglich gefallen.

Broken Hearts & ›Zettel’s Traum‹

8. Juni 2018, 16.09 Uhr

Jüngst las ich das:

Auch so könnte man die fünf Arbeiten von Astrid Klein aus der Serie Broken Hearts verstehen, die in den 1980er Jahren entstanden sind und auf Textfragmenten von Typoskriptseiten aus Arno Schmidts unvollendetem Werk „Zettels Traum“ …

Weiter hab ich nicht gelesen (wofür Astrid Klein natürlich nichts kann). – Ein paar Beispiele für die Broken Hearts-Serie und deren ›Zettel’s Traum‹-Rezeption finden sich z.B. hier.

Interview mit Fritz Senn

8. Juni 2018, 14.12 Uhr

In der mir bis dato unbekannten Zeitschrift ›a tempo – Das Lebensmagazin‹ findet sich ein hübsches Interview mit Fritz Senn. Mein neues Lieblingszitat:

Kultur ist vielleicht ein bisschen für die, die es im Leben nicht recht hinkriegen.

Rezension von Alice Schmidts ›Tagebuch 1948/49‹

8. Juni 2018, 13.31 Uhr

Im ›Neuen Deutschland‹ rezensiert Klaus Bellin Alice Schmidts ›Tagebuch 1948/49‹. Sein Fazit muss man nicht teilen:

Ihr frühes Tagebuch, ein Lesevergnügen, vollgepackt mit Informationen, ist ein höchst unterhaltsames Kapitel Schmidt-Biographie, auch (und nicht zuletzt) das erfrischende Bildnis einer beherzten Frau, die mit einem äußerst sensiblen, schwierigen Mann und einem schwierigen Alltag fertig werden musste.

Bargfelder Bote Lfg. 423–424

4. Juni 2018, 17.43 Uhr

Die Lieferung 423–424 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. Inhalt:

  • Rudi Schweikert: ›Rollende Nacht‹ und fallende Körper. Arno Schmidt bedient sich bei Johann Georg Kohls ›Reisen im Inneren von Rußland und Polen‹. Mit einem Seitenblick auf Frank Wedekind.
  • Ulrich Klappstein: Antike Steinbrüche. Arno Schmidt und Statuen.
  • Norbert Otto Eke: Einverleibungen (Rezension von ›Arno Schmidt und das 18. Jahrhundert‹).
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Das Bücherhaus Bargfeld

30. Mai 2018, 19.53 Uhr

Hermann Wiedenroths Bücherhaus in Bargfeld wird bei Landluft Celle ausführlich gewürdigt, Arno Schmidt spielt natürlich auch eine Rolle. Mit einigen hübschen Fotos des wohl aufgeräumtesten Antiquariats Deutschlands (mindestens).

Der Literaturnobelpreis

23. April 2018, 19.27 Uhr

Die schwedische Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, macht derzeit ja mit eher unschönen Geschichten von sich reden. In der FAZ nimmt Tilman Spreckelsen das Geschehen zum Anlass, um an einen schönen Text Arno Schmidts zu erinnern:

Stigma der Mittelmäßigkeit
Eine Reform? Oder gleich eine neue, internationale Jury? Mitten in der Krise der Schwedischen Akademie fehlt es nicht an Vorschlägen, wie die Vergabe des Literaturnobelpreises neu gestaltet werden könnte. Dabei gab es schon 1955 gute Ideen.

Bargfelder Bote Lfg. 422

21. April 2018, 13.21 Uhr

Lieferung 422 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. Inhalt:

  • Thomas Eichhorn: Der Schemen des Ulysses. Zu ›Die Abenteuer der Sylvesternacht‹
  • Friedhelm Rathjen: »Nebelkocherei im Walde« (Rez. zu Alice Schmidts TB 1948/1949)
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Kein neuer ›Ulysses‹ [3. Update]

4. März 2018, 14.01 Uhr

Update 27.3.
In der NZZ macht Hans Walter Gabler einen Kompromiss-Vorschlag:
Rettet den deutschen «Ulysses»

Update 18.3.
Inzwischen hat sich auch Gabriele Wolff ausführlich zu Wort gemeldet: Fake News oder wie ich zur Witwe von Hans Wollschläger wurde.

Update 6.3.
Im Blog des Suhrkamp-Verlags finden sich zwei Beiträge von Harald Beck, die an konkreten Beispielen erläutern, warum eine Revision von Wollschlägers Übersetzung wünschenswert ist:


Seit 10 Jahren arbeitet man bei Suhrkamp an einer revidierten Fassung des von Hans Wollschläger übersetzten ›Ulysses‹, die jetzt aus urheber­rechtlichen Gründen nicht erscheinen wird. Suhrkamp hat schlicht verschlampt, die Erben Wollschlägers zu fragen:

Mondamin

25. Februar 2018, 14.17 Uhr

In der Erzählung ›Großer Kain‹ heißt es über eine Figur, sie sei als »›Lückenbüßer‹ an einer der größten Zeitungen« tätig und müsse sich dort um »den ›Briefkasten‹« kümmern:

zu 90% fingiert, zu 10% wirklich=idiotische Erkundigungen von ›Lesern‹ […] ›Woher stammt das Wort MONDAMIN?‹ (Und die stoisch=irrsinnige Antwort: »E. Kr. in D. – Aus dem Indianischen; ›Korn des Großen Geistes‹, gleich Mais. Ihr Freund hat also seine Wette gewonnen.«).

Das klingt erfunden und parodierend (und sorgt bei Lesungen wohl immer wieder für einen Lacher), ist es aber wahrscheinlich gar nicht, sondern vermutlich wieder mal ein Zitat.

Zum einen: In der Wikipedia kann man erfahren, dass »Mondamin« in der Tat indianischen Ursprungs ist:

Am 29. Januar 1896 wurde beim Deutschen Markenamt die Wortmarke Mondamin […] eingetragen.[…] Der Name selbst wurde vom Wort für »Mais« in der Sprache der Ojibwa (monda(u)min) entlehnt […]. Der Sage nach war der Gott Mondamin der Freund der Menschen. Er starb im Kampf gegen den sagenhaften Häuptling Hiawatha, aus seinem beerdigten Körper wuchsen Maispflanzen.

Zum anderen: Der ›Briefkasten‹ war eine ständige Rubrik im ›Deutschen Hausschatz‹ – eben jener Zeitschrift, in der Unmengen an May-Romanen in Fortsetzungen erschienen –, in der die Redaktion anonymisierte Leserfragen exakt in dem Stil der Erzählung beantwortet hat.

Wenn die Marke Ende Januar 1896 eingetragen wurde, dann, vermute ich mal, dürfte »Mondamin« so ab Mitte 1896 im deutschen Sprachraum einigermaßen bekannt gewesen sein.

Ich halte es daher für mehr als wahrscheinlich, dass im 23. Jahrgang (Mitte 1896/Mitte 1897) des ›Deutschen Hausschatz‹ (den Schmidt besaß) exakt die von Schmidt gebrachte Frage samt Antwort steht (vermutlich mit anderem Adressaten, der bei Schmidt natürlich auf »Ernst Kreuder, Darmstadt« anspielt). 1896/1897 ist übrigens der Jahrgang, in dem im ›Hausschatz‹ der Vorabdruck von Mays ›Im Reiche des silbernen Löwen‹ beginnt – und mit May und speziell diesem Roman hat sich Schmidt zur Zeit der Niederschrift der Erzählung (Oktober 1961) intensiv beschäftigt.

Diese Vermutung müsste man jetzt einfach mal zu verfizieren versuchen. Aber dafür habe ich aktuell leider keine Zeit, also stell’ ich sie hier einfach mal in den Raum.