Arno-Schmidt-Abend in Heidelberg

Sonntag, 28. Oktober 2018

Im Heidelberger Haus der Astronomie können Schmidt- und Mond-Freunde am 24. November einen besonderen Abend erleben. Zuerst liest Bernd Rauschenbach aus ›Kaff auch Mare Crisium‹, anschließend gibt’s den Vortrag ›Von Schmidts Mond-Metaphern zum Kleinplaneten 12211 Arnoschmidt‹ von Ulrich Finkenzeller. Nach einer Pause mit Diskussion und Getränk und, passend, Mondhörnchen, haben die Besucher anschließend Gelegenheit, mit dem Teleskop den Mond und das Mare Crisium selbst zu beobachten.

Informationen des Veranstalters

Neuerscheinungen

Samstag, 20. Oktober 2018

Stanley Ellin, ›Sanfter Schrecken‹
Die Reihe der Übersetzungen Arno Schmidts wird fortgesetzt. Nach Bulwers ›Was wird er damit machen‹ und Faulkners ›New Orleans‹ ist jetzt für April 2019 eine Neuausgabe von Ellins ›Sanfter Schrecken‹ angekündigt.

Bernd Rauschenbach, ›Totengrundgespräche‹
In seinem Bild ›Totengrundgespräche‹ bringt der Maler RWLE Möller Arno Schmidt mit einem Musiker zusammen, mit dem Schmidt garantiert nichts hätte anfangen können, wenn er ihn denn gekannt hätte: Frank Zappa. Bernd Rauschenbach hat zu diesem Bild nun ein Gespräch zwischen Zappa und Schmidt geschrieben: ›Totengrundgespräch. Eine Unterhaltung zwischen Frank Zappa und Arno Schmidt‹, Hannover, Wehrhan 2018, 52 S., 8 €.

»Koloß von Würstchen«

Samstag, 20. Oktober 2018

Am Schluss von ›Sitara und der Weg dorthin‹ findet sich eine berühmt-berüchtigte Formulierung:

[…] auch wenn man die beiden absolut großen Spätwerke ausklammert, bleibt nicht, (wie ich bisher mit Unbehagen gefürchtet hatte), ein bloßes ›armes Würstchen‹, sondern ein förmlicher Koloß von Würstchen!«
BA III, 2, S. 285

Das ist nicht nett, aber hübsch formuliert. Nur – das ist gar nicht von Arno Schmidt. Am 14. Oktober 1962 schrieb Schmidts Verleger Ernst Krawehl an Schmidt:

Der May, wenn ich es recht auffasse, war in mancher Hinsicht natürlich ein furchtbares Würstchen, ein, contradictio, Koloß von Würstchen.
Briefe IV, S. 693

Der Briefwechsel Arno Schmidt / Hans Wollschläger

Samstag, 13. Oktober 2018

Auf der Buchmesse in Frankfurt wurden die ersten Exemplare des Briefwechsels zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger gezeigt. Der Band kommt am 12. November in den Handel.

Inhalt

  • Briefwechsel
    • Arno Schmidt / Hans Wollschläger
    • Hans Wollschläger / Alice Schmidt
    • Arno Schmidt / Karl-May-Verlag
    • Arno Schmidts Briefwechsel in Sachen Hans Wollschläger (Auszüge)
  • Dokumente
    • Protokolle Arno Schmidts zu Besuchen Hans Wollschlägers
    • Hans Wollschläger über Arno Schmidt
    • Auszüge aus Alice Schmidts Tagebuch 1956
    • Besuchsprotokolle Roland Schmids
    • Entwürfe und Notizen
    • Widmungen
  • Anhang
    • Abkürzungen und Kurztitel
    • Editorische Notiz
    • Dank
    • Kleines Glossar zu ›Im Reiche des silbernen Löwen‹
    • Karl Mays Werke
    • Biogramm Hans Wollschläger
    • Register
Arno Schmidt, ›Der Briefwechsel mit Hans Wollschläger‹, hrsg. v. Giesbert Damaschke, Frankfurt, eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag 2018, 1034 S., ISBN 978-3-518-80240-3, 68 €. – Verlagsseite

›Bargfelder Bote‹, Lfg. 428

Samstag, 13. Oktober 2018

Eine neue Lieferung der ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. Inhalt:

  • Rudi Schweikert: Dr. Clawbonnys Maxime und ihre Folgen Wie Arno Schmidts kurzer Text ›Die Vorsichtigen‹ dank Jules Verne in Schwung kommt
  • Joachim Kersten: »Euerer Excellenz erlaube ich mir mitzuteilen.« [Neueste Erkenntnisse zur ›Pocahontas‹-Strafanzeige und ihren Urhebern.]
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Kurzmeldungen

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Martin Walser interviewt Arno Schmidt
Aufnahme des Süddeutschen Rundfunks aus dem Jahr 1952

Die Umsiedler als Hörspiel
Die Hörspielbearbeitung von Anna Pein wurde mit dem Robert Geisendörfer Preis 2018 ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird die Produktion von 2017 noch einmal zum Download angeboten.

Angria & Gondal in Celle
Am 17. Oktober um 20.00 Uhr gibt es eine Lesung des Brontë-Dialogs im Schloßtheater Celle.

Handke über Céline und Schmidt
Peter Handke im Interview mit ›Freitag‹: »Ich mag nicht so schreiben wie [Céline], er ist ein bisschen so ein Arno-Schmidt-Schreiber. Céline ist nichts zum Lesen, das springt einen sofort an.«

The master’s voice – Radiostimmen deutscher Schriftsteller nach 1945
Rundfunk-Essay von Manfred Koch; darin knapp neun Minuten von und über Arno Schmidt. Sendung und Manuskript können heruntergeladen werden.

›Bargfelder Bote‹, Lfg. 425–427

Samstag, 25. August 2018

Ein neuer ›Bargfelder Bote‹ ist erschienen:

  • Jörg Drews: ZT-Lesenotizen (2)
  • Friedhelm Rathjen: Jörg Drews und die Anfänge der ›Dechiffrier‹-Philologie
  • Wolfram Schütte: Aus einer E-Mail über Jörg Drews und die Anfänge
  • Ergänzende Auskünfte
  • Günther Flemming: Meine Erinnerungen an Jörg Drews
  • Hartwig Suhrbier: Wie alles begann und was daraus wurde. AS, Ernst Krawehl, Jörg Drews und ich
  • Robert Wohlleben: Aus einer E-Mail über den Weg zum Syndikat
  • Jörg Drews: Die heilige Schrift, im Nebenzimmer gedeutet. Die Arno-Schmidt-Forscher trafen sich in Bargfeld
  • Alice Schmidt: Tagebuchnotizen vom 7. bis 11. Oktober 1971
  • Jörg Drews: Kritische ZT-Zwischenbilanz, München, 30. Juni 1970
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

›Niemandes Betulichkeit‹ [Update]

Freitag, 3. August 2018

Vom 7. Dezember 1961 bis zum 5. Januar 1962 schrieb Schmidt seine Rezension zu Ellmanns Joyce-Biographie (BA III, 4, S. 170–178) und gab ihr den etwas eigenartigen – und, dass ich’s nur gestehe, mir unverständlichen – Titel ›Niemandes Betulichkeit‹.

Bei diesem Titel handelt es sich, was auch sonst, um ein Zitat. Ich habe allerdings so meine Zweifel, ob Schmidt das Werk, das er da zitiert, tatsächlich gelesen hat.

Am 23. Juni 1959 schreibt Hans Wollschläger einen längeren Brief an Arno Schmidt, in dem es unter anderem auch um Robert Kraft geht. Über diesen schreibt Wollschläger:

wollte man ein General-Motto für seine Methodiken suchen, so etwa ›Niemandes Betulichkeit‹ (wie der alte A. M. Frey so entzückend-blödsinnig ein Kapitel seines SOLNEMAN überschrieb –: die beiden sehen sich gar nicht so unähnlich)

Gemeint ist hier der 1914 erschienene Roman ›Solneman, der Unsichtbare‹ von Alexander Moritz Frey. Weder Autor noch Roman tauchen im Werk Schmidts auf, das Wort »betulich« bzw. »Betulichkeit« gehörte (lt. der BA auf CD) ansonsten nicht gerade zu Schmidts aktivem Wortschatz: da liegt der Verdacht schon arg nah, dass Schmidt sich die Formulierung aus Wollschlägers Brief gemerkt bzw. notiert und ein paar Jahre später benutzt hat.

Update 9.8.2018

Günter Jürgensmeier wies mich darauf hin, dass A. M. Frey und sein Roman ›Solneman, der Unsichtbare‹ zwar bei Schmidt nicht auftaucht, dass er den Roman aber wohl gekannt haben muss – und sei es auch nur auszugsweise.

Zu Freys satirischem Roman finden sich im Netz einige Informationen, unter anderem auch eine ziemlich begeisterte Rezension von Tucholsky, aus der ich einfach mal kurz zitiere:

Die Sache ist einfach die, dass Hciebel Solneman (mit einem N, bitte!) eines Tags in die kleine Stadt geschneit kommt und sich den Bürgerpark kauft. Er legitimiert sich mit einem kindskopfgroßen Diamanten, zahlt 75 – in Worten: fünfundsiebzig – Millionen auf den Tisch des Hauses – oder waren es hundertfünfzigtausend? – und macht sichs behaglich in seinem Park.

Und baut eine riesige Mauer um den Park, wie er sich auch ausgemacht hat, dass sich keiner vermessen dürfe, in den Park einzudringen – und das Spiel geht los.

Vor dem Kauf des Parks bittet sich Hciebel Solneman – was natürlich nichts anderes heißt als »Namenlos lebe ich« – aus, dass er in Ruhe gelassen wird:

Niemandes Bruder bin ich, bin niemandes Neugier, niemandes Fürsorge, niemandes Betulichkeit. Dies vor allem.

Anders und salopp gesagt: Schmidt gibt durch die Titelwahl seiner Rezension zu verstehen, dass Leute wie Ellmann Joyce gefälligst in Ruhe zu lassen haben.

Säuglingspflege

Montag, 30. Juli 2018

Vom 9. bis zum 16. April 1964 schrieb Schmidt ››Meine Bibliothek‹‹. Darin heißt es:

Neulich bot mir ein DDR=Antiquar einen Brief des Alten an, in dem ein ganzer Satz Säuglings=Literatur bestellt wird: ?
BA III, 4, S. 363

Dieser »DDR=Antiquar« dürfte eine Erfindung und die Quelle für dieses kuriose Detail eher eine Information Hans Wollschlägers sein. Der nämlich besuchte Schmidt Anfang des Jahres 1964. Zu diesem Besucht notierte sich Schmidt:

Kandolf’s Bibliografie: er hat fortgelassen, die sehr zahlreichen Schriften über ›Säuglingspflege‹ (sic! Wozu W anmerkte, er habe höchstwahrscheinlich eben doch wohl mit den Dienstmädchen Diverses erzeugt!!) […]
Besuchsprotokoll Arno Schmidts (Dokument 8 im kommenden Band ›Briefe IV‹)

Neuauflage von ›Anno Schmidt‹

Samstag, 28. Juli 2018

1974 realisierte Sebastian Schadhauser den Film ›Anno Schmidt‹, mit Anita Ekberg (sic!) als nunja Muse und Rafael Alberti als nunja Arno Schmidt. Der Film existierte lange Jahre nur als Gerücht, bis Winand Herzog ihm hinterher recherchierte, auftrieb und 2008 auf DVD zusammen mit einem 100-seitigen Begleitband in nummerierter Auflage herausbrachte. Diese Auflage ist nun ausverkauft, Herzog und Schadhauser erwägen eine kleine, diesmal nicht-nummerierte Neuauflage:

Mit Sebastian Schadhauser habe ich beratschlagt, ob wir nach zehn Jahren noch einmal eine kleine Auflage herausbringen sollen, nicht mehr numeriert natürlich, und daher auch deutlich preiswerter, weil die damaligen Konvertierungskosten von analog zu digital nicht mehr erbracht werden müssen.

Ab einer Zahl von etwa 20 Subskribenten könnte man das Projekt in Erwägung ziehen. DVD mit Buch würden ca. 28 Euro kosten. Interessenten melden sich bitte bei office40@gmx.net

Einige Eindrücke zu dem Film hat Claus Moser notiert.