»Angeln verboten«

Dienstag, 27. August 2019

In ›Kundisches Geschirr‹ heißt es (I, 3, S. 378):

Und eben am ragenden Pfahl das Schild
ANGELN VERBOTEN
H. SINGER / RÄDERLOH

Dieses Schild gab es bekanntlich tatsächlich, auch wenn es nicht an einem »ragenden Pfahl«, sondern an einem Baum hing (aber das hätte wohl nicht zum sexuellen Subtext gepasst). Schmidt hat das Schild auch fotografiert, das Foto ist im ›Arno-Schmidt-Raben‹ (›Der Rabe‹, Nr. 12, Herbst 1985) auf den Seiten 74/75 abgebildet. Dieses Schild scheint von Arno-Schmidt-Sammlern regelmäßig abmontiert und entwendet worden zu sein. Das zumindest legt der Text im 114. Auktionskatalog der Galerie Bassenge nah, in dem ein solches Schild angeboten wird. In der Beschreibung heißt es:

Der Sohn erinnert sich dunkel daran, dass der Vater das Schild mehrmals erneuern musste und dass er sich darüber wohl auch geärgert habe. […] Wieviele Schilder dieser Art existieren, ist nicht bekannt. Jörg Drews hat bekanntlich ebenfalls ein Exemplar besessen. Es hing in seinem Professorenbüro in Bielefeld. Zwei sind es demnach mindestens.

Mitgeteilt von Hans-Dieter Meyer

Stramm und Schmidt

Montag, 12. August 2019

In André Hättings knapp einstündigem Rundfunkfeature ›»Der Kirchturm sonntagt« – August Stramms expressionistische Lyrik und die Folgen‹ geht es auch ausführlich um Rezeptionsspuren August Stramms im Werk Arno Schmidts. Unter Der größte Wortjongleur von allen kann der Beitrag nachgelesen und -gehört werden. – Als kleines Korrektiv zum Feature sei auf Friedhelm Rathjens umfangreiche »Materialsichtung zu Arno Schmidts Expressionismus-Rezeption« verwiesen: ›Schmidt und der Expressionismus, oder: Im Banne des Soergel‹ (BB 313–314, Januar 2009, S. 3–39).

Jeff Bezos liest hält ›Zettel’s Traum‹

Freitag, 9. August 2019

Der ›Freitag‹ berichtet über eine etwas fragwürdige Aktion der Stiftung Lesen, die zum Weltkindertag am 30. September zusammen mit Amazon eine Million Exemplare der Grimmschen Märchen »in einfacher Sprache« verschenken will. Illustriert wird der Artikels mit einem (offensichtlich schon etwas älteren Foto) von Jeff Bezos, der ›Zettel’s Traum‹ in Händen hält. Das Foto stammt vom Fotografen und Schmidt-Leser Thomas Müller, auf dessen Webseite noch ein weiteres Foto von Bezos mit ›Zettel’s Traum‹ zu finden ist.

Neues vom ›Bargfelder Boten‹

Sonntag, 4. August 2019

Ein neuer ›Bargfelder Bote‹ und eine Sonderlieferung des BB sind erschienen:

›Bargfelder Bote‹, Lfg. 438–440. – Aus dem Inhalt:

  • Abgesang auf Bangemann. Editorial aus aktuellem Anlass
  • Thomas Eichhorn, ›Dante lesen. Arno Schmidt und Primo Levi‹
  • Ralf Simon, ›Latenz, Windmühlen, Jabos. Überlegungen zu Arno Schmidts ›Windmühlen‹ im Zusammenhang einer Theorie der literarischen Latenz‹
  • Friedhelm Rathjen, ›»Der netteste, plauderhafteste Zugang«‹ (Rez. zu: Mary & Padraic Colum, ›Unser Freund James Joyce‹).
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt
  • [Bangemanns Endabrechnung]
*

Winand Herzog, ›Ein »böses »Zu spät!««? Arno Schmidts dyadisches Schreiben. Untersuchungen zur ›Dankadresse zum GoethePreis 1973‹. ISBN 978-3-86916-854-8, 317 Seiten, 48,- Euro [Sonderlieferung des ›Bargfelder Boten‹]. – Verlagsankündigung:

Welche versteckten Botschaften enthält Arno Schmidts ›Dankadresse‹ zum GoethePreis? Was verhinderte ein früheres Debüt als Schriftsteller? Welche Rolle spielte hierbei Schmidts Konzept des dyadischen Schreibens? Die vorliegende Untersuchung bietet zu diesen Fragen neue Erkenntnisse. Arno Schmidts ›Dankadresse zum GoethePreis‹ ist sein Testament als Autor. Winand Herzog enthüllt deren intertextuelle Anspielungen, die Schmidts Wunsch nach literarischer Unsterblichkeit ebenso spiegeln wie seine Distanzierung vom zu Lebzeiten unveröffentlichten Frühwerk. Schmidts zentrale Behauptung, seine Schriftstellerlaufbahn sei durch »ein böses ›Zu spät!‹« erschwert worden, konfrontiert Herzog mit vergleichenden Untersuchungsreihen von Autoren aus fünf Generationen. Es zeigt sich, dass eine spezifische Fesselung Schmidt an einem früheren Schritt in die Öffentlichkeit gehindert hat – ein dyadisches Schreibkonzept, das der Kommunikationsstruktur seiner Werke zeitlebens eingeschrieben bleibt. Die Dyaden lösen einander seit 1932 in einem organischen Verfahren ab, bis sie ihren adäquaten Ausdruck in der spezifischen Form des »Schmidt-Lesers« finden, der darin geschult wird, das nötige Verständnis für Schmidts immer komplizierter und komplexer werdendes Schreiben zu entwickeln.

»De schrieft Allns op!«

Donnerstag, 25. Juli 2019

›11 Freunde‹, das »Magazin für Fußballkultur« bringt jeden Sommer ein Bundesliga-Sonderheft, in dem es neben den branchenüblichen Informationen auch jede Menge Wortspiele, Kalauer und Parodien auf Buch- und Film-Titel gibt. Dieses Mal hat man unter anderem eine Beilage mit ›Bundesliga-‹ bzw. ›Zweitliga-Klassikern‹ produziert, bei denen bekannte Buchcover mit Fußballanspielungen versehen werden. Mit dabei: ›Ewald Lienen: Zettels Traum‹.

Dazu muss man wissen, dass Ewald Lienen – ehemals Fußballspieler und -Trainer, aktuell Technischer Direktor beim FC St. Pauli – in seiner Zeit als Trainer dafür bekannt war, während eines Spiels jede Menge Notizzettel zu füllen und, wie Arno Schmidt, jederzeit Papier und Bleistift parat hatte. Das trug ihm dann den Spitznamen »Zettel-Ewald« ein. Ok, kein Spitzenwitz. Aber doch ganz nett.

Die Mailingliste musste neu aufgesetzt werden

Donnerstag, 4. Juli 2019

Vielleicht war es die Hitze, vielleicht meine Dussligkeit, vielleicht das schlechte Design der Verwaltungssoftware. Vermutlich war es alles zusammen. Jedenfalls habe ich gestern um die Mittagszeit die komplette Site gelehrtenrepublik.de gelöscht – und damit auch die Mailinglisten zu Arno Schmidt (ASml) und zu Karl May (KMGml).

Inzwischen läuft alles wieder, die Site ist wieder da, die Listen wurden neu aufgesetzt.

Allerdings hatte ich kein Verzeichnis der in der ASml bzw. der KMGml eingetragenen Teilnehmern und also auch keine Möglichkeit, einen früheren Zustand wiederherzustellen. Als Notlösung habe ich diejenigen eingetragen, die in den letzten sechs Monaten etwas in der ASml gepostet und damit ihr Vorhandensein kund getan haben. Die schweigende Mehrheit blieb notwendig unberücksichtigt.

Personen, die weiterhin an der ASml teilnehmen oder einfach nur Post von ihr bekommen möchte, schreiben mir bitte eine Mail, ich trag die Adressen dann ein (eine eigene Anmeldung via Formular ist leider nicht möglich).

»Arno Schmidt lesen« in Rendsburg

Sonntag, 26. Mai 2019

Vom 15. bis 17. November veranstaltet die Arno Schmidt Stiftung ein weiteres »Arno Schmidt Lesen«-Seminiar im Nordkolleg Rendsburg. Ankündigungstext:

›Das steinerne Herz‹ von Arno Schmidt, laut Untertitel »ein historischer Roman aus dem Jahr 1954 nach Christi« konnte 1956 lediglich in einer zensierten Fassung erscheinen, in der die damals als politisch, religiös und sexuell anstößig empfundenen Stellen umgeändert und abgeschwächt worden waren. Grund hierfür waren unter anderem die vielfach überaus kritischen Kommentare zu politischen Entwicklungen in Ost und West gleichermaßen, ein Novum für die damalige Literatur der Bundesrepublik. Kriegserfahrungen, Kalter Krieg und Wiederaufrüstung, der Traum von Freiheit und scheinbar unendliche Möglichkeiten sind nur einige Themen dieses vielfach umstrittenen Werks, das nicht zuletzt auch durch seine zahlreichen Bezüge zur deutschsprachigen Literatur ein Kompendium der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte ist.

Während des Seminars wird der Roman anhand ausgewählter Fragestellungen erschlossen.

Weitere Informationen und Anmeldung

Noch zwei Nachrufe auf das »Gast- und Pensionshaus Bangemann«

Samstag, 25. Mai 2019

Nachdem Frank Schäfer am 15. April in der TAZ über die Schließung der Gaststätte Bangemann in Bargfeld berichtet hat (›Legende am Ende der Welt‹) haben sich auch auch Willi Winkler in der ›Süddeutschen Zeitung‹ und Bert Strebe in der ›Hannoverschen Allgemeinen‹ zu Wort gemeldet:

Kleine Meldungen

Sonntag, 12. Mai 2019

Die Artikel haben etwas Zuwachs bekommen:

*

Die Jahrestagung 2019 der GASL findet vom 11.–13. Oktober in Kiel statt. Themenschwerpunkt soll Schmidts Beziehung zu Schleswig-Holstein und Hamburg sein. Anmeldungen sind bis zum 30. Juli erwünscht.

›Elfenreigen für Arno Schmidt‹

Sonntag, 21. April 2019

1993 hat Christian Münch einen ›Elfenreigen für Arno Schmidt‹ komponiert. Die Partitur (PDF, 22 Seiten) kann in den Digitialen Sammlungen der Sächsische Landesbibliothek geladen werden. Das Stück für tiefe Stimme, Violine, Violoncello und Klavier – eine Vertonung von Barthold Hinrich Brockes’ ›Nähere Betrachtung der Kirsch=Blüthe‹ – wurde lt. Kürschners Musiker-Handbuch 2006 1994 in Dresden uraufgeführt.