Bargfelder Bote, Lfg. 450

Donnerstag, 23. April 2020

Die Lieferung 450 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. – Inhalt:

  • Editorial: 50 Jahre ›Zettel’s Traum‹
  • Ulrich Klappstein, ›Eiros & Charmion. Über das »ausgesprochen dicke Ende« Wollschlägers und wie Arno Schmidt sein Pensum erledigte‹
  • Günther Flemming, ›Edgar Poe und Charles Dickens – und Arno Schmidt‹
  • Friedhelm Rathjen, ›Die 7 Schwestern. Norwegisches in ›Zettel’s Traum‹‹

›Zettel’s Traum‹-Lesung in Corona-Zeiten

Sonntag, 19. April 2020

Das Literaturhaus Halle hat eine rund einstündige Lesung aus (teils wohl unveröffentlichten) Briefen Schmidts und ›Zettel’s Traum‹ als Zimmerlesung aufgezeichnet und bei Youtube veröffentlicht. Es lesen Martin Reik (Schauspieler am neuen Theater Halle) und Alexander Suckel (Literaturhaus Halle).

›Zettel’s Traum. Ein Lesebuch‹

Dienstag, 7. April 2020

Für den 12. Oktober kündigt der Suhrkamp-Verlag an: Arno Schmidt, ›Zettel’s Traum. Ein Lesebuch‹, hrsg. v. Bernd Rauschenbach, mit einführenden Texten von Susanne Fischer. – Aus der Verlagsankündigung:

Das Lesebuch zu Arno Schmidts ›Zettel’s Traum‹ stellt einzelne Szenen aus dem großen Werk zusammen, das halb Roman, halb literarischer Essay zu Werk und Leben Edgar Allan Poes ist. In Gesprächen und »längeren Gedankenspielen« der Protagonisten wird die Vielfalt der sprachlichen Töne von ›Zettel’s Traum‹ sichtbar. Es geht um gegenseitige Zuneigungen und wechselseitige Spannungen, um verräterische Träume und unterdrückte Wünsche. Um dem Erstleser den Einstieg zu erleichtern, wurden die Aufteilung in drei Spalten und die zahllosen Marginalien bei dieser Auswahl weggelassen. Sie versammelt Kostproben für neugierige Leser, die sich an das Original bislang nicht herangetraut haben.

Das Lesebuch soll im normalen Buchformat (21 cm × 14 cm) erscheinen, 232 Seiten haben und 25 Euro kosten.

50 Jahre ›Zettel’s Traum‹

Samstag, 4. April 2020

Am 4. April 1970, also heute vor 50 Jahren, erschien ›Zettel’s Traum‹. Aus diesem Anlass versucht Peter Kock bei literaturkritik.de »einen bilanzierenden Blick auf das Werk zu werfen.«

*

Bei YouTube findet sich ein rund 17minütiger TV-Beitrag ›Arno Schmidt in Bargfeld‹ von Paul Kersten. Der schöne, etwas melancholische Beitrag wurde erstmals am 7. Mai 1985 in der ARD im Rahmen des ›Bücherjournals‹ ausgestrahlt. Das Video scheint eine Kopie einer älteren VHS-Aufnahme zu sein, Text und Bild sind etwas asynchron, aber das sollte einen nicht weiter stören.

*

Der Hausverlag des ›Bargfelder Boten‹ widmet sich dem Jubiläum mit einem von Friedhelm Rathjen herausgegebenen Taschenbuch. Der Band enthält auf 184 Seiten sechs ausgewählte Beiträge zum Roman aus dem ›Bargfelder Boten‹ und eine Bibliographie. Zudem wird sich die kommende Lieferung 450 ausschließlich ›Zettel’s Traum‹ widmen.

Lese- & Lebenszeit

Freitag, 20. März 2020

In seiner Rezension zu Tobias Blumenbergs ›Der Lesebegleiter‹ schreibt Klaus Walther:

Arno Schmidt, der gern seinen Buchkonsum arithmetisch ordnete, meinte einmal in einem langen Leserleben könne man nur so um die 6500 Bücher lesen.

Jedesmal, wenn ich über dergleichen Verweis stolpere (und das passiert doch recht häufig), nehm’ ich mir vor, das einmal bei Schmidt nachzuschlagen – jetzt habe ich das endlich einmal getan.

Erstmals stellt Schmidt diese Berechnung in der Erzählung ›Ich bin erst Sechzig‹ auf, die er im Juni 1955 geschrieben hat:

Das Leben ist so kurz! Selbst wenn Sie ein Bücherfresser sind, und nur fünf Tage brauchen, um ein Buch zweimal zu lesen, schaffen Sie im Jahre nur 70. Und für die fünfundvierzig Jahre, von Fünfzehn bis Sechzig, die man aufnahmefähig ist, ergibt das 3150 Bände : die wollen sorgfältigst ausgewählt sein!
BA I, 4, 30 f.

Sechs Jahre später – am 15./16. Juli 1961 – schreibt er den Essay ›Julianische Tage‹, in dem er erneut die Lesezeit eines Lebens (das hier in Tagen gemessen wird) berechnet:

Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach rund 15000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf das betreffende Buch, wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit an. […] Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären’s immer erst arme 5000.
BA III, 4, S. 91 f.

Allerdings setzt Schmidt hier den Zeitraum, in dem man »leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei«, etwas anders als in der früheren Erzählung an. Waren es dort die Jahre zwischen 15 und 60, sind es im Essay die Jahre von ~14 bis 55 (das Jahr einmal pauschal mit 365 Tagen gerechnet).

Kurz nach den ›Julianischen Tagen‹, im November 1961, arbeitet Schmidt am Fragment gebliebenen Dialog ›Die Tugenden der Kaulquappen‹, in dem es heißt:

A.: Zum Beispiel, daß man – vom 17. Lebensjahre an, wo der Mensch ungefähr anfängt, Gefühl für Literatur zu bekommen; bis zum 65., wo er, falls er fleißig & ehrlich gearbeitet hat, abgenützt ist, auch biologisch, und keins mehr hat – daß man in diesen rund 18.000 Tagen wieviel Bücher lesen kann?

B. (zögernd): Nuu ..... –: naja; das kommt auf Umfang und Schwierigkeit an. Und da Sie natürlich auf ›Gute Bücher‹ hinaus wollen, ..... (sinnend): 4 Tage für ein anspruchsvolles Buch, ist ja nicht viel; meist wird man mehr brauchen .....

A. (geduldig): Einigen wir uns dahin, daß man wirklich lesen, im Lauf seines Lebens so zwischen 3 und 4 Tausend Bände können wird.

Selbst wenn man Schmidts Lesezeitspanne etwas ausdehnt, auf etwa 15 bis 75 Jahre, und völlig unrealistische drei Tage pro Buch veranschlagt, kommt man auf maximal rund 7.300 Bücher. Das ist zwar mehr, als Schmidt vorrechnet, aber auch nicht gerade viel.

Übrigens führt Hans Wollschläger eine ähnliche Berechnung durch (›Von Sternen und Schnuppen‹, Göttingen, Wallstein 2006, S. 27 f.) und setzt dabei ein Pensum von rund 300 (!) Büchern pro Jahr und eine Lesezeit von 50 Jahren –

(auch der Gute Leser soll ein paar Jugendjahre geschenkt bekommen, damit er in Ruhe die unerläßlichen Dummheiten machen kann)

– an. Aber selbst mit diesen völlig illusorischen Eckwerten kommt man auf »grad 15.000 Bücher«. Tja.

›Selfmadeworld in Halbtrauer‹

Sonntag, 15. März 2020

Am Montag, den 16. März, bringt SWR2 im Rahmen seiner Reihe ›Aus den Archiven‹ die Sendung ›Arno Schmidt oder Eine Selfmadeworld in Halbtrauer‹ von Marcel Reich-Ranicki. Die Sendung wurde erstmals am 5. September 1967 vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlt. Die Essay-Reihe bietet der SWR auch als Podcast an, die Sendung lässt sich also ab dem 16. März auch als Datei herunterladen.

Der Essay wurde am 13. Oktober 1967 in der ›Zeit‹ abgedruckt. Der damals 23jährige Gerd Haffmans schrieb daraufhin einen längeren Leserbrief, in dem er Reich-Ranicki vehement widersprach, den die ›Zeit‹ allerdings nicht abdruckte. Er erschien erstmals im Februar 1997 im ›Bargfelder Boten‹ Lfg. 214–216.

Der Essay samt einiger kritischer Reaktionen darauf ist nachzulesen in: ›Über Arno Schmidt II‹, S. 97–109.

›Zettel’s Traum‹ zum 50.

Sonntag, 8. März 2020

In diesem Jahr jährt sich das Erscheinen von ›Zettel’s Traum‹ zum 50sten Mal. Aus diesem Anlass publiziert die Arno Schmidt Stiftung auf Ihrer Facebook-Seite* (leider nicht in ihrem freizugänglichen Blog) jeden Freitag kleine Fundstücke, Schnipsel & Informationen zum Roman. Da erfährt man etwa, dass eine Vorzugsausgabe in Leder mit Kupferdeckeln geplant war. Die Ausgabe wurde nicht realisiert, es existiert allerdings noch der Blindband, der im Archiv der Stiftung aufbewahrt wird. Oder dass die ›Zeit‹ zur Buchmesse 1970 den Rummel um den Roman für die Werbung von Anzeigenkunden genutzt hat, was Alice Schmidt in ihrem Tagebuch am 13. Juli 1970 erfreut vermerkt:

Freuen uns sehr über kleines schwarzes Cellophankästchen »Zettels Raum« von der »Zeit«. Bessere Reklame kann man sich nicht wünschen.

Der Blindband und das Kästchen sind auf der Facebook-Seite der Stiftung zu sehen.

*Ich verlinke Facebook nicht, aber wer suchet, der findet …

Bargfelder Bote, Lfg. 447-449

Sonntag, 8. März 2020

Die Lieferung 447–449 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. Aus dem Inhalt:

  • Simon Gottwald, ›Düstere Mathematik. H. P. Lovecraft in ›Julia, oder die Gemälde‹‹
  • Günther Flemming, ›Leonhard Jhering (Ps.)‹
  • Rudi Schweikert, ›Das Skelett im Baum. Zur Schlussanekdote in Arno Schmidts ›Das heulende Haus‹

Bargfelder Bote, Lfg. 445-446

Samstag, 1. Februar 2020

Ein neuer ›Bargfelder Bote‹ ist erschienen. Aus dem Inhalt:

  • Kai U. Jürgens, ›Aushosung und Mordgedanke. Erotik und Verbrechen in Arno Schmidts Erzählung ›Die Wasserstraße‹‹
  • Winand Herzog, ›Als Arno Schmidt Alice das Weiße Kaninchen stahl. Zu einer möglichen Lewis-Carroll-Anspielung in Arno Schmidts ›Dankadresse zum GoethePreis 1973‹‹
  • Günther Flemming, ›Seltsame Tage – ein Katalog im Karton‹ (Rez.)

Reemtsmas liebstes Schmidt-Buch

Samstag, 18. Januar 2020

Die ›Welt‹ hat Jan Philipp Reemtsma nach seinen zehn Lieblingsbüchern gefragt. Zu den genannten Titeln gehört natürlich auch Schmidt, nämlich:

Arno Schmidt: Kaff auch Mare Crisium
Gewiss eines der schönsten Bücher Arno Schmidts und mir das Liebste. Wer bei seiner Lektüre nicht merkt, warum einige Schmidt für einen der großen Autoren (und gewiss den bedeutendsten der zweiten Hälfte) des 20. Jahrhunderts halten, der – nun ja – merkt es eben nicht. So was kommt vor, ist aber nicht bloß Ansichtssache, sondern Urteilsschwäche. […]