Die ›Bargfelder Ausgabe‹ im Internet

Samstag, 19. Januar 2019

Vor gut einem Jahr wurde sie zum ersten Mal von Susanne Fischer in der ASml erwähnt, seit dem 18. Januar 2019, 14.00 Uhr ist sie als Geburtstagsgeschenk online: Die komplette ›Bargfelder Ausgabe‹ im Internet. Dabei handelt es sich explizit nicht um eine digitale Werkausgabe, sondern um ein »elektronisches Findemittel« zur Erschließung der gedruckten Ausgabe.

Geboten wird die Volltextsuche im Textkorpus der BA, wobei (anders als bei der in die Jahre gekommenen ›Bargfelder Ausgabe auf CD‹) nun auch ›Zettel’s Traum‹, die Supplemente und die Briefwechsel mit Andersch, Michels, Schlotter und Kollegen durchsuchbar sind. Der neu erschienene Band Schmidt/Wollschläger ist noch nicht dabei, wird aber wohl nachgereicht werden.

Es werden nicht nur einzelne Begriffe gefunden, sondern auf Wunsch auch unterschiedliche Schreibweisen und nicht direkt aufeinanderfolgende Begriffe. Die Suche lässt sich auf bestimmte Zeiträume und einzelne Werkgruppen bzw. Titel eingrenzen. Die Kombination von mehreren Titeln – also etwa eine Suche in ›Brand's Haide‹, ›Kaff‹ und ›Caliban‹ – ist mir bei einem kurzen Testlauf einmal gelungen, danach nicht mehr, hier scheint es sich um einen Bug zu handeln.

Mit den logischen Operatoren AND, OR und NOT lassen sich komplexere Suchanfragen formulieren, und wem das noch nicht reicht, dem stehen mächtige Regular Expressions zur Verfügung. Wer sich mit den verschiedenen Möglichkeiten vertraut machen möchte, tut gut daran, ein wenig Einarbeitungszeit einzukalkulieren. Je häufiger die Suche benutzt wird, desto besser lernt man ihre Fähigkeiten kennen und desto unverzichtbarer wird dieses großartige Geburtstagsgeschenk der Arno Schmidt Stiftung.

Die Treffer werden auf Scans der Originalseiten angezeigt, wer die Fundstellen in eigene Arbeiten übernehmen möchte, wechselt über ein »Zitieren«-Menü in die Textansicht, in der sich Text und bibliographischen Angaben kopieren lassen. Zudem lässt sich jeder Treffer verlinken.

Ein Buch von Gewicht

Samstag, 22. Dezember 2018

Ein Tweet von Jan Süselbeck warf wieder einmal die Frage auf, wie schwer eigentlich das Monstrum ›Zettel’s Traum‹ ist. Die Gewichtsangabe gehört seit je zum eisernen Bestand der Rezensenten, die sich mit diesem Roman beschäftigen. Schon 1974 notierte Hans-Michael Bock in seiner Presseschau zu ›Zettel’s Traum‹:

Alle Drei führen einen schönen Brauch der ZT-Beschreiber ein: Sie beginnen mit dem Gewicht des Buches; und schon ergeben sich die ersten Diskrepanzen: Drews – 9,5 kg, Schütte – 12 Kilo, Nöhbauer – 20 Pfund. An die Tradition knüpft dann im »Spiegel« Gunar Ortlepp an: Das Buch ist da. Ich habe es gewodngen: Es wiegt 17 Pfund […].
›Potz Geck und kein Ende!‹, in: ›Der Solipsist in der Heide‹, edition text+kritik, München 1974, S. 135

Diese Tradition wurde auch in einer der ersten Rezensionen der Übersetzung von ›Zettel’s Traum‹ gewahrt:

At more than 13 pounds, it is not easy to pick up

schreibt da etwa Steven Norton im ›Wallstreet Journal‹.

Vor ein paar Jahren habe ich meine Ausgaben des Romans spaßeshalber einmal gewogen, diese Messung habe ich jetzt noch einmal wiederholt. Alle Ausgaben wurden inkl. Schuber gewogen:

zettels traum gewogen

3. Auflage = S. Fischer, Frankfurt/M 1977
Stud. = Studienausgabe in 8 Heften, 2. Auflage, S. Fischer, Frankfurt/M. 1986
TB = S. Fischer, Frankfurt/M. 2002
6. Auflage = S. Fischer, Frankfurt/M. 2004
BA = BA IV, 1; Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld 2010
BD = ›Bottom’s Dream‹, Dalkey Archive, Victoria etc. 2016

Neuerscheinungen

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Der tschechische Verlag Opus setzt seine Reihe mit Übersetzungen der Werke Schmidts fort. Neu erschienen ist die ›Kamenné srdce‹ (›Das steinerne Herz‹), übersetzt und mit einem Nachwort von Radovan Charvát.


Die Lieferung 429–430 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. Inhalt:

  • Reise zum Mittelpunkt. Claude Riehl im Gespräch mit Marie Frering und André Warynski. Übersetzt und mit Anmerkungen von Hubertus Biermann
  • Thomas Eichhorn: Die Milchglas-Witzbolde. Zum Übersetzerduell in ››Piporakemes!‹‹
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Korrekturen & Ergänzungen zum Briefwechsel Schmidt/Wollschläger

Sonntag, 2. Dezember 2018

Bei einem so umfangreichen Band wie dem Briefwechsel zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger kann es nicht ausbleiben, dass trotz sorgfältiger Korrektur einige Druck- und andere Fehler stehen geblieben sind. Diese Fehler werden auf dieser Site als work in progress korrigiert, zudem werden kleinere Ergänzungen zum Kommentar nachgetragen.

Korrekturen zu BA, Briefe IV

Arno-Schmidt-Abend in Heidelberg

Sonntag, 28. Oktober 2018

Im Heidelberger Haus der Astronomie können Schmidt- und Mond-Freunde am 24. November einen besonderen Abend erleben. Zuerst liest Bernd Rauschenbach aus ›Kaff auch Mare Crisium‹, anschließend gibt’s den Vortrag ›Von Schmidts Mond-Metaphern zum Kleinplaneten 12211 Arnoschmidt‹ von Ulrich Finkenzeller. Nach einer Pause mit Diskussion und Getränk und, passend, Mondhörnchen, haben die Besucher anschließend Gelegenheit, mit dem Teleskop den Mond und das Mare Crisium selbst zu beobachten.

Informationen des Veranstalters

Neuerscheinungen

Samstag, 20. Oktober 2018

Stanley Ellin, ›Sanfter Schrecken‹
Die Reihe der Übersetzungen Arno Schmidts wird fortgesetzt. Nach Bulwers ›Was wird er damit machen‹ und Faulkners ›New Orleans‹ ist jetzt für April 2019 eine Neuausgabe von Ellins ›Sanfter Schrecken‹ angekündigt.

Bernd Rauschenbach, ›Totengrundgespräche‹
In seinem Bild ›Totengrundgespräche‹ bringt der Maler RWLE Möller Arno Schmidt mit einem Musiker zusammen, mit dem Schmidt garantiert nichts hätte anfangen können, wenn er ihn denn gekannt hätte: Frank Zappa. Bernd Rauschenbach hat zu diesem Bild nun ein Gespräch zwischen Zappa und Schmidt geschrieben: ›Totengrundgespräch. Eine Unterhaltung zwischen Frank Zappa und Arno Schmidt‹, Hannover, Wehrhan 2018, 52 S., 8 €.

»Koloß von Würstchen«

Samstag, 20. Oktober 2018

Am Schluss von ›Sitara und der Weg dorthin‹ findet sich eine berühmt-berüchtigte Formulierung:

[…] auch wenn man die beiden absolut großen Spätwerke ausklammert, bleibt nicht, (wie ich bisher mit Unbehagen gefürchtet hatte), ein bloßes ›armes Würstchen‹, sondern ein förmlicher Koloß von Würstchen!«
BA III, 2, S. 285

Das ist nicht nett, aber hübsch formuliert. Nur – das ist gar nicht von Arno Schmidt. Am 14. Oktober 1962 schrieb Schmidts Verleger Ernst Krawehl an Schmidt:

Der May, wenn ich es recht auffasse, war in mancher Hinsicht natürlich ein furchtbares Würstchen, ein, contradictio, Koloß von Würstchen.
Briefe IV, S. 693

Der Briefwechsel Arno Schmidt / Hans Wollschläger

Samstag, 13. Oktober 2018

Auf der Buchmesse in Frankfurt wurden die ersten Exemplare des Briefwechsels zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger gezeigt. Der Band kommt am 12. November in den Handel. – Inhalt:

Briefwechsel
Arno Schmidt / Hans Wollschläger
Hans Wollschläger / Alice Schmidt
Arno Schmidt / Karl-May-Verlag
Arno Schmidts Briefwechsel in Sachen Hans Wollschlägers (Auszüge)

Dokumente
Protokolle Arno Schmidts zu Besuchen Hans Wollschlägers
Hans Wollschläger über Arno Schmidt
Auszüge aus Alice Schmidts Tagebuch 1956
Besuchsprotokolle Roland Schmids
Entwürfe und Notizen
Widmungen

Anhang
Abkürzungen und Kurztitel
Editorische Notiz / Dank
Kleines Glossar zu ›Im Reiche des silbernen Löwen‹
Karl Mays Werke
Biogramm Hans Wollschläger
Register
Arno Schmidt, ›Der Briefwechsel mit Hans Wollschläger‹, hrsg. v. Giesbert Damaschke, Berlin, eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag 2018, 1034 S., ISBN 978-3-518-80240-3, 68 €. – Verlagsseite

›Bargfelder Bote‹, Lfg. 428

Samstag, 13. Oktober 2018

Eine neue Lieferung der ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. Inhalt:

  • Rudi Schweikert: Dr. Clawbonnys Maxime und ihre Folgen Wie Arno Schmidts kurzer Text ›Die Vorsichtigen‹ dank Jules Verne in Schwung kommt
  • Joachim Kersten: »Euerer Excellenz erlaube ich mir mitzuteilen.« [Neueste Erkenntnisse zur ›Pocahontas‹-Strafanzeige und ihren Urhebern.]
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Kurzmeldungen

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Martin Walser interviewt Arno Schmidt
Aufnahme des Süddeutschen Rundfunks aus dem Jahr 1952

Die Umsiedler als Hörspiel
Die Hörspielbearbeitung von Anna Pein wurde mit dem Robert Geisendörfer Preis 2018 ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird die Produktion von 2017 noch einmal zum Download angeboten.

Angria & Gondal in Celle
Am 17. Oktober um 20.00 Uhr gibt es eine Lesung des Brontë-Dialogs im Schloßtheater Celle.

Handke über Céline und Schmidt
Peter Handke im Interview mit ›Freitag‹: »Ich mag nicht so schreiben wie [Céline], er ist ein bisschen so ein Arno-Schmidt-Schreiber. Céline ist nichts zum Lesen, das springt einen sofort an.«

The master’s voice – Radiostimmen deutscher Schriftsteller nach 1945
Rundfunk-Essay von Manfred Koch; darin knapp neun Minuten von und über Arno Schmidt. Sendung und Manuskript können heruntergeladen werden.