Website zu Jörg Drews

Sonntag, 17. Januar 2021

In einem undatierten Brief Eberhard Schlotters an Arno Schmidt heißt es:

Becks schrieb […] auch ein Artikel eines C.D.U. Blattes in dem Schmidt als einziger Deutscher mit Weltgeltung bezeichnet wurde, lag dabei.

Schmidt reagierte am 18. August 1963 auf diese Mitteilung und schrieb an Schlotter:

Diese komische CDU=Illustrierte – ich lese das Zeugs, nach unwandelbarer Taktik gar nicht erst; meine Frau sagt, es sei ganz vernünftig, z.T. sogar sehr klug. (Der Verfasser ist übrigens ein gewisser Jürgen Drews aus München : kennt ihn Becks etwa?).

Jürgen heißt natürlich Jörg, und die »CDU=Illustrierte« ist das 1954 gegründete Magazin ›Civis‹, das sich, so die Wikipedia, »als Theorieorgan des RCDS« verstand und in seiner August-Ausgabe 1963 den Aufsatz ›Arno Schmidt: Außenseiter oder Mittelpunkt?‹ von Jörg Drews brachte, der in ÜAS II auf den Seiten 84 bis 91 nachgelesen werden kann. Die von Schlotter erwähnte Formulierung findet sich dort übrigens nicht, wohl aber die Formulierung, Schmidt sei »der bedeutendste deutsche Prosaschriftsteller unserer Zeit.«

Dieser frühe Aufsatz zu Arno Schmidt kann auf der neuen Website joerg-drews.de zwar nicht nachgelesen werden, doch dafür bietet diese von Christiane Heuwinkel aufgebaute Website zu Jörg Drews zahlreiche andere, durchwegs lesenswerte Texte von und über Jörg Drews, darunter natürlich Texte zu Arno Schmidt.

Die informative und auch unterhaltsame Site kann nur nachdrücklich zum Stöbern und, dank Volltextsuche, auch gezieltem Nachschlagen empfohlen werden.

›Besser Wohnen‹

Dienstag, 5. Januar 2021

Bernd Rauschenbach hat zahlreiche informative und kluge Aufsätze zu Arno Schmidt geschrieben, die nur einen Nachteil hatten: Sie waren über verschiedene Publikationen verstreut, manchmal versteckt und obendrein teilweise seit Längerem vergriffen. Da ist es erfreulich, dass nun im Wehrhahn-Verlag ein Sammelband erschienen ist, der diese Aufsätze wieder im handlichen Format zugänglich macht:

Bernd Rauschenbach, ›Besser wohnen. Studien zu Leben und Werk Arno Schmidts‹, Hannover, Wehrhahn 2020.
328 Seiten mit 14 Abbildungen, ISBN 978–3–86525–800–7, 24,80 Euro.

Auf der Verlagswebseite zum Buch findet sich auch eine Leseprobe.

Der Band versammelt folgende Aufsätze:

  • Ein Tablett voll glitzernder snapshots. Schwierigkeiten beim Entwerfen einer Arno-Schmidt-Biographie
  • Besser wohnen. Bargfeld Nr. 37 und der Weg dorthin
  • Prügel und Wörter. Arno Schmidt lernt lesen
  • Schwager Levy. Eine Art Wiedergutmachung
  • Ein Bardur. Flüge vom Balkon und andere Fluchten
  • Wasser ist zum Waschen da. Beobachtungen zum Abscheu vor dem Organischen bei Arno Schmidt
  • »I wouldn’t have it as a gift«. Einige unvollständige Beobachtungen und herumschweifende Überlegungen zu Arno Schmidts Goethepreisrede
  • Die seltsame Tochter. Ein Florilegium
  • … a very mad affair … Liebe und Tod am Dümmer
  • Erdachte Gespräche. Arno Schmidts monologische Dialoge
  • Zur Konfirmation. Mehr als eine Brotarbeit
  • Löffel und Gespenster. Literaturwissenschaft als Hilfswissenschaft
  • Arno Schmidt und Design. Von treuen Dingen

2 Notizen

Freitag, 25. Dezember 2020

Die 21. Nachlieferung zu Karl-Heinz Müthers Arno-Schmidt-Bibliographie ist erschienen.

* * *

Am 16. Dezember stellte Matthias Schümann beim NDR im Rahmen der Sendung ›Neue Bücher‹ das Lesebuch zu ›Zettel’s Traum‹ vor. Der fünfminütige Beitrag kann bis zum 16. Juni 2021 nachgehört werden.

Bargfelder Bote, Lfg. 457–458

Freitag, 25. Dezember 2020

Die Lieferung 457–458 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. – Inhalt:

  • Ulrich Klappstein, ›Klopstock, oder wozu die »Deutsche Gelehrtenrepublik« Arno Schmidt herausforderte. Eine Spurensuche‹
  • Günther Flemming, ›Fröhliche Magerkeit‹
  • Friedhelm Rathjen, ›Über die Sterblichkeit‹ (Rezension von Leonhard Hieronymi, ›In zwangloser Gesellschaft‹)
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Kleinigkeiten

Samstag, 12. Dezember 2020

Einige kurze Notizen zu neueren Meldungen:

  • In der Schriftenreihe ›Spuren‹ ist ein Heft zu Arno Schmidt erschienen: Georg Patzer, ›Arno Schmidt und Ulm‹. Eine lobende Erwähnung findet sich in der SZ.
  • Georg Patzer hat für das Online-Magazin ›Titel‹ den Reprint von ›Zwischen den Kriegen‹ und das neue Marbacher Magazin zu Peter Rühmkorf rezensiert, das anlässlich der ›»Laß leuchten!«‹-Ausstellung erschienen ist. Naturgemäß wird hier auch Arno Schmidt erwähnt.
  • Ein Facebook-Posting der Arno Schmidt Stiftung verrät etwas über kommende Publikationen: Derzeit wird »ein kleines Buch über den Zettelkasten zur Julia. Mit vielen Abbildungen« vorbereitet, das »voraussichtlich im Herbst 2021« erscheinen wird. (Nein, Facebook wird hier nicht verlinkt.)
  • In Michael Maars Buch ›Die Schlange im Wolfspelz. Das Geheimnis großer Literatur‹ (Rowohlt, 2020) wird Schmidt mehrfach erwähnt, es findet sich auch ein 5-seitiger Abschnitt zu ihm: ›Ein Phall für sich‹. (Ich muss ja zugeben, dass mich derartige Wortspiele im Titel eher abschrecken.)
  • In der ›Zeit‹ empfehlen Oskar Piegsa und Christoph Twickel »Platten und Bücher aus Hamburg, die auf den Gabentisch gehören«. Mit dabei als Geschenk Für Unbezwingbare: das ›Zettel’s Traum‹-Lesebuch.

›Zettel’s Traum. Ein Lesebuch‹

Dienstag, 24. November 2020

Schon seit rund vier Wochen ist ›Zettel’s Traum. Ein Lesebuch‹ auf dem Markt. Da wird es aber hohe Zeit, der Chronistenpflicht zu gehorchen und, wenn ich schon derzeit nicht dazu komme, das Buch ausführlicher vorzustellen, zumindest sein Erscheinen zu vermelden und auf die ersten Reaktionen zu verweisen.

Bereits am 6. November meldete sich Marius Fränzel in seinem Blog zu Wort und resümmierte:

[Das Lesebuch] liefert einen lesbaren, witzigen und durchaus gelungenen späten Roman Arno Schmidts. Aber es ist zugleich auch ein großer Schritt hin zu dem Eingeständnis, dass ›Zettel’s Traum‹ ein missglücktes Buch ist, eines, in dem der nun gehobene Roman untergegangen ist, der nur unter Opferung alles übrigen gerettet werden kann.

Am 20. November lobte Tilman Spreckelsen in der FAZ (›Das klirrende Gelächter der vierten Instanz‹) die »souveräne Auswahl des Herausgebers Bernd Rauschenbach«:

Am Ende seufzt Wilma: »der ganze Tag kommt Ma vor, wie’n wüster Alp –: Ch hab zu=viel gelebt heute.« Dass man das als Leser ganz anders sieht, dass man ein dringendes Verlangen nach einer wiederholten, ausschweifenden Lektüre von ›Zettel’s Traum‹ entwickelt, ist dieser Handreichung zu verdanken.

Die FAZ nimmt das Lesebuch auch gleich zum Anlass für eine etwas bemühte Hommage und kalauert sich durch die Titel Schmidt’scher Werke. Andere Beiträge der Literaturbeilage sind etwa mit ›Dasein mit Goldrand‹, ›Musikergespräche im Pandämonium‹, ›Mühe in Halbtrauer‹ und so weiter überschrieben – you get the idea …

Auch ›Lesart‹, das »unabhängige Journal für Literatur«, bespricht in der aktuellen Ausgabe 4/2020 auf S. 63 das Lesebuch positiv (›Schmidt lesen? Auf jeden Fall!‹). Hier zieht Matthias Schümann das Fazit:

Hat man sich erst mal »eingefuchst« mit dem orthografischen Sonderweg Schmidts, dann geht die Lektüre zusehends flotter vonstatten. Und macht Lust auf das komplette Werk.

›Lesart‹ nutzt ebenfalls die Gelegenheit zu einem kleinen Arno-Schmidt-Schwerpunkt. Auf S. 64 f. stellt Susanne Fischer ›Zettel’s Traum‹ vor (›Ein Monument für Poe und Pagenstecher. Was für ein Buch: 50 Jahre Arno Schmidts Typoskript-Roman ›Zettel’s Traum‹‹), im Anschluss folgt auf S. 66 f. eine Rezension zum neu aufgelegten Band IV von Theweleits Pocahontas-Studie (Stephan Lesker, ›‹Arno Schmidt und die Häuptlingstochter‹).

Und ich selbst? Nun, vielleich werde ich da mal ausführlicher und grundsätzlicher. Bis dahin mag es genügen, dass ich derzeit mit großem Vergnügen im Lesebuch lese und doch ein ums andere Mal laut auflachen muss. Je länger meiner Lektüre zurücklag, desto stärker und störender scheint meine Erinnerung daran unter den schieren Massen des Etymgerölls begraben worden zu sein – bis ich anscheinend völlig vergessen hatte, was für ein komischer, trauriger, herzbeengender, großer Roman ›Zettel’s Traum‹ ist. Oder vielleicht genauer: Hätte sein können.

Bargfelder Bote, Lfg. 455–456

Freitag, 20. November 2020

Die Lieferung 455–456 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. – Inhalt:

  • Günther Flemming, ›Zwei Miszellen‹ (›Con-Clave‹, ›Lektüre für Zuschauer‹)
  • Jochen Hengst, ›»Abend mit Goldrand« ausgelesen?‹ (Rez. zu Günter Jürgensmeier, ›»und noch was Andres«‹)
  • Alexis Eideneier, ›Das triste Jahrbuch als bunter Jahrmarkt‹ (Rez. zu Armin Eidherr (Hg.), ›GASL-Jahrbuch 2017/2018‹)
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Rezensionen zum Briefwechsel Schmidt / Wollschläger [14. Update]

Freitag, 30. Oktober 2020

Update: 30.10.2020

Stand: 25.4.2020

Errata der ›Bargfelder Ausgabe‹

Dienstag, 27. Oktober 2020

Die Website der Arno Schmidt Stiftung hat einen neuen Menüpunkt: Errata. Hier finden sich aktuell die Erratazettel zum Supplementband 2 (›Lesungen, Interviews, Umfragen‹) und zum Band 1 der ›Bargfelder Ausgabe‹ (der jüngst fehlerbereinigt neu aufgelegt wurde).

Lektüreseminar ›Schwarze Spiegel‹ [Update 28.3.2021]

Dienstag, 20. Oktober 2020

Vom 30. April bis 2. Mai 2021 veranstaltet die Arno Schmidt Stiftung ein weiteres Lektüreseminar im Nordkolleg Rendsburg. Diesmal geht es um ›Schwarze Spiegel‹. – Ankündigungstext:

»Lichter? (ich hob mich auf den Pedalen) – : – Nirgends. (Also wie immer seit den fünf Jahren).«

So beginnt der Endzeittext »Schwarze Spiegel« (1951) – der letzte Überlebende nach dem Atomkrieg streift durch Norddeutschland. In diesem frühen Roman Arno Schmidts wird die menschenleere Welt nicht als Schreckensszenario beschrieben, vielmehr erklärt der Erzähler, es sei »doch richtig so«.

Der Text wird in gemeinsamer Lektüre erarbeitet. Dabei wird es um die Mikrostruktur des Textes ebenso gehen wie um die Gesamtkonzeption. Weitere Themen sind die Haltung des Erzählers, Utopie und Dystopie und die Verortung des Romans in Schmidts Gesamtwerk.

Anmeldungen sind auf der Webseite des Nordkollegs möglich.

Update 28.3.2021: Corona-bedingt wurde das Seminar auf 2022 verschoben.