Musivisches Dasein

In den ›Berechnungen I‹ (1954) heißt es zu der Vorstellung, erzählende Prosa müsse einen »epischen Fluß« bieten:

Es gibt diesen epischen Fluß […] gar nicht; Jeder vergleiche sein eigenes beschädigtes Tagesmosaik! […] Aus dieser porösen Struktur auch unserer Gegenwartsempfindung ergibt sich ein löcheriges Dasein […].

In den ›Berechnungen II‹ (1955) führt Schmidt für diese Beobachtung den Begriff »musivisches Dasein« (BA III, 3, S. 275) ein. Diese Erkenntnis hat formale Konsequenzen:

Der Sinn dieser »zweiten« Form ist also, an die Stelle der früher beliebten Fiktion der »fortlaufenden Handlung«, ein der menschlichen Erlebnisweise gerechter werdendes, zwar magereres aber trainierteres, Prosagefüge zu setzen.

Entsprechende komponiert Schmidt seine Texte aus oft nur wenige Zeilen lange, sprachlich hochverdichtete Absätze, deren erste Zeile etwas herausgerückt sind und mit einer kursivierten Passagen beginnen.

Zuletzt geändert: 3.4.2021