Nescafé

Als Gunnar Ortlepp am 10. April 1970 in Bargfeld zu Besuch ist, um mit Arno Schmidt über ›Zettel’s Traum‹ zu reden, wird ihm von Alice Schmidt Kaffe oder Tee angeboten, er entscheidet sich für Kaffe und man einigt sich auf Nescafé. Auf Alice Schmidts Angebot, sie könne auch normalen Kaffee kochen, erwidert Ortlepp: »Nö, warum denn, Nescafé geht irgendwie schneller« (BA Sup 2, CD 5.1, ~9:27)

Nescafé war für Schmidt (neben Alkohol) ein fast unverzichtbares Aufputschmittel, von dem er große Mengen zu sich nahm. Ob er Nescafé bereits als Soldat kennen gelernt hat, ist fraglich, aber spätestens mit den Care-Paketen seiner Schwester kam Nescafé ins Haus. Später bekam er von Wilhelm Michels regelmäßig größere Mengen geschickt.

Die ersten Erwähnungen finden sich im vom November 1954 bis April 1955 geschriebenen Roman ›Das steinerne Herz‹, wo Walter Eggers nächtens die gefundenen Bücherschätze sichtet:

Kaffee : starken Kaffee also! : ich entfaltete die Blechschachtel; legte Tabletten aus Hartspiritus hinein; über die Flamme Wasser : in dieser Konservenbüchse. 3 dicke Eßlöffel für ein’ halben Liter : scheiß aufs Herz!

Im satirischen Roman ›Die Gelehrtenrepublik‹ (1957) bekommen die Dichter »alles, was ihr Herz begehrt«, darunter natürlich auch »Wenn’s der Arzt erlaubt, Nescafé frei« (BA I, 2, S. 309).

Dass überhoher Coffein-Genuss nicht gerade gut für den Kreislauf ist, war Schmidt bewusst. Was ihn aber nicht davon abhielt, die Dosis unter Umständen zu erhöhen, zumindest in der Fiktion – ob er das im ›Trommler beim Zaren‹ (1959) beschriebene Gemisch am eigenen Leib ausprobiert hat, muss wohl vorerst offen bleiben:

Meine 2 Nachbarn auf der andern Seite bestellten sich erst »’ne Schachtel Zie’retten«, (der Eine noch zusätzlich »Fefferminzbruch«); und dann machten sie Folgendes : Jeder tat in sein leeres Glas 2 gehäufte Teelöffel Nescafé, und goß dann frisches Coca=Cola drüber : das schäumte hoch; dick & gelbbraun; Alles schien sich aufgelöst zu haben; sie schlürften und lächelten technoid. (Das muß ja auch toll aufpulvern! Ma’probier’n.)
Zuletzt geändert: 11.3.2020