Typoskripte

Die letzten Werke Arno Schmidts – ›Zettel’s Traum‹, ›Die Schule der Atheisten‹, ›Abend mit Goldrand‹ und das posthume Fragment ›Julia, oder die Gemälde‹ – erschienen nicht mehr als gesetzte Bücher, sondern als Typoskripte, also als fotomechanische Vervielfältigung seiner auf A3-großen Blättern getippten Manuskripte, inklusive aller Tippfehler, Einfügungen, Streichungen und anderer Korrekturen.

Diese Erscheinungsform war von Schmidt anfangs nicht intendiert, sondern ergab sich erst relativ spät während der mehrjährigen Arbeit an ›Zettel’s Traum‹. Dessen Manuskript stellte seinerzeit zu hohe Anforderung an die Setzer und die verfügbare Technik, als dass es möglich gewesen wäre, das monströse Werk im Buchsatz zu publizieren. Zudem schreckte Schmidt vor der langwierigen Korrektur etwaiger Satzfahnen zurück. Ungefähr ein halbes Jahr nach der Abgabe des Manuskripts an den Verlag erläuterte Schmidt in dem Gespräch ›Vorläufiges zu Zettels Traum‹:

Immerhin wird sich das Buch vermutlich nicht mehr setzen lassen, sondern – das MaschinenManuskript wird fotomechanisch vervielfältigt werden müssen. Eine Not aus der ich – ne Tugend insofern gemacht habe als ich auch – mir Zeichnungen am Rande erlaubt habe, oder Bildvorlagen die mich anregten. […] Immerhin mußte ganz einfach einmal die Bahn gebrochen, und dargetan werden, – daß Bücher der eben skizzierten Art eigentlich nur noch als Manuskripte vorgelegt werden können.

Erst im Rahmen der ›Bargfelder Ausgabe‹ wurden die Typoskripte gesetzt und in etwas verkleinertem Format veröffentlicht. ›Julia‹ erschien 1992, ›Abend mit Goldrand‹ 1993 und ›Die Schule der Atheisten‹ 1994. Die Satzarbeiten an ›Zettel’s‹ Traum erwiesen sich als außerordentlich kompliziert, der Roman erschien erst 2010 in gesetzter Form.

Zuletzt geändert: 8.3.2020