Stürenburg

Am 10. Mai 1955 notiert Alice Schmidt in ihrem Tagebuch:

A. erklärt, er wolle einen nehmen, denn er wolle seine 1. Kurzgeschichte versuchen. […] A. hatte mirs neulich schon angedeutet wie er’s machen will: Der Vermessungsrat Stürenburg der abends im Freundeskreise seine Geschichten erzählt. Wird also ein ganzer Geschichtenzÿklus werden! Aber jede für sich abgeschlossen! Und diese 1. [= ›Ein Leben im Voraus‹] ist so prächtig gelungen, daß ich A. gleich um nochmaliges Vorlesen bitte.
TB 1955, S. 108

Insgesamt hat Schmidt acht Geschichten geschrieben, in denen der Vermessungsrat a.D. Stürenburg als »Erzähler im lauschenden Hörerkreis« (BA III, 3, S. 163 und öfter) leicht skurrile oder unheimliche Geschichten erzählt:

Daneben gibt es noch fünf weitere Kurzgeschichten, die nach dem gleichen Muster gearbeitet sind, in denen die Erzählerfigur Stürenburg allerdings durch andere Personen ersetzt wird:

Alice Schmidts Hoffnung auf einen kompletten Zyklus und den damit möglichen Einnahmen – »Ich verspreche mir jetzt viel davon. (finanziell!!)« – hat sich nicht erfüllt. Einige der Erzählungen wurden zwar noch 1966 im Sammelband ›Trommler beim Zaren‹ unter dem Rubrikentitel ›Stürenburg-Geschichten – kann fortgesetzt werden‹ aufgenommen, eine Fortsetzung oder gar eine Sammelveröffentlichung in einem Band gab es allerdings nicht.

Weiterhin notiert Alice Schmidt:

Und auch A. ist selbst höchst zufrieden. Die Erzählung ist allerdings Fouqué entnommen. A. behält aber dessen gleichen Namen bei. Also doch: halbehrlich!

Nach diesem Muster scheint Schmidt auch bei den übrigen Geschichten verfahren zu sein, bislang konnte für einige (nicht für alle) ›Stürenburg-Geschichten‹ Anregungen und Quellen nachgewiesen werden.

Zuletzt geändert: 29.2.2020