Fontane-Preis

Am 13. März 1964 schreibt Schmidt an Alfred Andersch:

Gänzlich unerwarteterweise komme ich nun doch noch nach Berlin – die Stadt soll mir den ›Fontane=Preis‹ verliehen haben; und obschon ich vorsichtshalber annehme, daß es sich um eine Verwechselung handelt, werde ich Dienstag Abend dort sein, (und Donnerstag Mittag geht es wieder ab).

Schmidts Überraschung scheint zumindest teilweise nicht gespielt zu sein. So schreibt er am 2. April an Hans Wollschläger:

[…] stellen Sie sich vor : die eigentliche Einladung bestand in einer vorgedruckten Postkarte, mein Name in Schreibmaschine eingesetzt, die mich zur ›Teilnahme an der Feier‹ berechtigte; (kein Wort von Entgegennahme eines Preises!)
BA Briefe IV, S. 655

Die Verleihung des mit 10.000 DM dotierten Preises fand am 18. März 1964 in Berlin statt, die Laudatio hielt Günter Grass. Arno und Alice Schmidt übernachten im Hotel Sachsenhof, sie nutzen den Aufenthalt für einen Verwandtschaftsbesuch im Ostteil der Stadt.

Das Drumherum der Preisverleihung – ein ihm zu Ehren von Ingeborg Bachmann ausgerichtetes Frühstück am 18. März und eine abendliche Feier mit verschiedenen Kollegen wie Andersch, Grass, Johnson und Rühmkorf, Signierstunden – setzen Schmidt sehr zu. Uwe Johnson beschreibt ihn als verschlossen, mürrisch und abweisend: »ist von dieser Welt nicht« (Bildbiographie, S. 378). An Ernst Krawehl schreibt Schmidt am 21. März:

Nochmals schönen Dank für die Begleitung nach Berlin – am schätzbarsten war mir Ihre geübte Unterhaltungsgabe, die mich weitgehend entlastete; so daß ich, ermüdet, den Mund öfters zu machen konnte. (Dies ganze Restaurants= & Ateliergeschätz ist ja etwas fürchterlich substanz= & basisloses: Jeder hat die Mautasche dickvoll falscher Fuffziger, Jeder causiert & zeigt die Plomb’m. / Na, ’s is’ überstanden. Alle fuffz’n Jahre kann man sowas ma mach’n)
Bildbiographie, S. 379

Doch allem demonstrativen Missmut zum Trotz – eine reine Tortur scheint die Berliner Tage für Schmidt dann doch nicht gewesen zu sein. Denn dort hat er auch den Architekten Hans Scharoun kennengelernt, ein Treffen, über das er später, am 20. März 1969, Christian Gneuß erzählt:

Da hab’ ich nun 64 in Berlin einmal neben Professor Scharoun gesessen, das ist der Präsident von der – Akademie der Künste dort. Der erzählte mir daß er einen höchst modernen Wabenbau errichtet hätte, und zwar in Lünen. Es war sehr interessant, das zu hören.

Das Preisgeld nutzen Schmidts zur Vergrößerung ihres Bargfelder Grundstücks. Am 5. Mai 1964 schreibt Alice Schmidt an ihre Mutter Else Murawski:

Wir haben uns übrigens aufgrund des Fontanepreises noch einen Morgen Land gekauft. 30m an unser Grundstück nach Osten anschließend etwa 9 nach Süden.
Bildbiographie, S. 379
Zuletzt geändert: 24.3.2020