Englandreise

Im Dickens-Dialog ›Tom All Alone’s‹ heißt es:

Sich selbst entronnen liegt er im ‹Dichterwinkel› der Westminsterabtei. Neben ihm Händel & Sheridan. Umgeben von den Denkmalen Chaucers; Drydens; Shakespeares. Auch ich bin, den schnöden Filz in der Hand, davor hingetreten : et hic Dii sunt.

Es ist dies die einzige Stelle im Werk Schmidts, die explizit auf eine Englandreise anspielt, die – wenn man Kleinstanspielungen wie A & Os »›Night before Naseby‹; hing meiner Zeit noch in der Tate=Gallery« (BA IV, 3, S. 29) außen vor lässt – ansonsten keinen erkennbaren Niederschlag gefunden zu haben scheint, was an der Realtität dieser Reise immer wieder mehr oder weniger spitzfindige Zweifel aufkommen ließ.

Das einzige umfangreichere Dokument zur Englandreise ist ein Brief von Alice Schmidt an ihre Freundin Rosa Junge vom 19. August 1938, in dem sie eine Reise nach London vom 7. bis 15. August 1938 beschreibt (Wu Hi, S. 93–121). Allerdings ist dieser Brief vermutlich nie abgeschickt worden.

Daneben gibt es einige Kleinstindizien, die dafür sprechen, dass Arno und Alice Schmidt tatsächlich im August 1938 nach London gefahren sind. So findet sich in einer Poe-Ausgabe der Besitzervermerk »Arno Schmidt 1938, London« (BVZ 575.1) und in einer Anmerkung in ›Porträt einer Klasse‹ heißt es:

Ich habe sie noch im Herbst 1938, als uralte Frau, dort gesehen, (Wir fuhren gerade nach England) […]
Porträt, S. 82

Gewichtiger noch wiegen aber wohl verschiedene Einträge in Alice Schmidts Tagebüchern. So notiert sie etwa am 7. Juli 1949:

Schon um meinetwillen wollte er, daß wir mehr Geld hätten & er mir wieder so was, wie unsere Englandreise v. 38 bieten könnte.
TB 1948/49, S. 114

Ähnlich auch eine Erinnerung an das Schiff, mit dem Schmidts übersetzten, die sie am 10. Juli 1950 einträgt:

Um 􏰂8 kam die Fähre für Blankenese. Herrlich, herrlich wars auf dem breiten Elbstrom. Spiegelglatt blinkte er in der Sonne u. im Morgendunst türmte sich Blankenese. U. links – vor 12 Jahren trug uns die ›Monte Pascoal‹ da hinaus.
BB 345–346, S. 17

– und warum hätte sie das notieren sollen, wenn es die Reise nicht gegeben hätte?

Zuletzt geändert: 23.5.2020