Wollschläger, Wieland und Whisky

Dienstag, 3. Mai 2022

Wallsteins Wollschläger-Werkausgabe geht weiter. Für Oktober 2022 jetzt ein 500 Seiten starker Band mit Briefen Wollschlägers aus den Jahren 1988–2007 angekündigt. Dazu heißt es auf der Verlagsseite:

Der Band enthält eine erste umfangreiche Auswahl aus Briefen der letzten zwanzig Lebensjahre Wollschlägers. Im Mittelpunkt stehen seine Projekte in den Jahren 1988 bis 2007, die er mit Leidenschaft und Akribie verfolgt, also die Historisch-kritische Ausgabe der Werke Karl Mays, die Edition der Werke Friedrich Rückerts, die Verwaltung und Organisation der Werke, Schriften und Übersetzungen der 70er und 80er Jahre und – ab Ende der 90er Jahre – die Bemühungen um eine Sammlung der eigenen Arbeiten. Es handelt sich demnach im weitesten Sinne um »Briefe zum Werk« dieses bedeutenden Autors, Übersetzers und Herausgebers.
Hans Wollschläger, ›Briefe 1988-2007‹, hg. v. Thomas Körber, ca. 500 S., ISBN 978-3-8353-5222-3, ca. 38 Euro.
* * *

Ebenfalls angekündigt ist bei Wallstein eine neue Ausgabe von Wielands ›Aristipp‹. Der Band soll ab dem 31. August lieferbar sein und wird als Teil einer »Studienausgabe in Einzelbänden« ausgewiesen. Man darf gespannt sein, welche Neuausgaben Wielands uns noch erwarten.

Christoph Martin Wieland, ›Aristipp und einige seiner Zeitgenossen‹, hg v. Jan Philipp Reemtsma u. Hans-Peter Nowitzki unter Mitarbeit v. Clara Innocenti, ca. 1.200 S., ISBN 978-3-8353-5327-5, ca. 48,00 Euro.
* * *

Im November 2021 unterhielten sich Matthias Bickenbach und Michael Stolzke in ihrem Podcast ›Gargantua. Gespräche über Geist & Getränke‹ unterhaltsam über Alkohol im Werk Schmidts. Jetzt hat man eine weiter Schmidt-affine Folge nachgeschoben: ›Whisky in der Gelehrtenrepublik – postatomare Drinks bei Arno Schmidt‹. Da bekomme ich doch gleich Lust auf eine längst mal wieder fällige Wiederlektüre des Romans.

Sven Hanuschek, ›Arno Schmidt‹: Erste Reaktionen

Samstag, 30. April 2022

[30.4.2022]: Günter Jürgensmeier widmet sich vorerst den handwerklichen Aspekten der Biographie:

[28.4.2022] – Inzwischen hat sich auch Andreas Platthaus in der FAZ ausführlich zu Wort gemeldet. Seine deutlich reservierte Rezension ist (noch?) ohne Bezahlschranke lesbar:

[23.4.2022] Sven Hanuscheks lange angekündigte, mehrfach veschobene, umfangreiche Arno-Schmidt-Biographie ist inzwischen erschienen: ein Buchbrocken mit 990 Seiten. Hanuschek hat den (kompletten?) Nachlass gesichtet, zitiert sehr ausgiebig aus bislang unveröffentlichtem Matrial, liefert auch den erfahrenen Schmidt-Lesern und -Leserinnen manche unbekannte Details und schreibt gegen die immer noch kursierenden Klischees vom misanthropischen Eigenbrötler in der Heide an (die selbst in der Verlagsankündigung noch nachklingen).

Ich selbst stecke noch in der Lektüre und kann noch nicht viel dazu sagen, aber es gibt die ersten Rezensionen:

Zudem brachte der Deutschlandfunk am 22. April 2022 ein Gespräch mit Sven Hanuschek, das im Web nachgehört werden kann: Arno Schmidts unbekannte Seiten.

Was liest er da eigentlich?

Sonntag, 24. April 2022

Cover von Sven Hanuschek, Arno Schmidt Das Cover von Hanuscheks Schmidt-Biographie zeigt ein bekanntes Foto von Wilhelm Michels: Schmidt sitzt im, nunja, Sonntagsstaat auf dem Verandageländer und liest in einer riesigen Mappe. Ich habe mich immer gefragt, was er da eigentlich so intensiv studiert. Dank Twitter und Susanne Fischer weiß ich es nun:

Es war Joyce, Finnegans Wake-Übersetzungsproben. Die Mappe existiert allerdings nicht mehr (was die Identifizierung nicht einfacher machte).
Susanne Fischer bei Twitter, 19. April 2022

Zur Datierung hat Günter Jürgensmeier die plausible Vermutung, dass Michels das Foto am 7. Juli 1961 (einem Freitag) aufgenommen hat.

Bargfelder Bote, Lfg. 474–475

Dienstag, 8. März 2022

Die Lieferung 474–475 des ›Bargfelder Boten‹ ist erschienen. – Aus dem Inhalt:

  • Ulrich Finkenzeller, ›»Schröters Regel« und das »Eysenhard’sche Phänomen« in ›Kaff auch Mare Crisium‹. Quellen, Fakten und Inszenierung‹
  • Friedhelm Rathjen, ›Arno Schmidt in Australien. Hinweis auf Walter Billeter‹
  • Simon Gottwald, ›»Traumvorlagen« und mehr. Susanne Fischers ›»Julia, laß das!«‹‹
  • Gehört, gelesen, zitiert
  • In letzter Zeit ist erschienen und zu unserer Kenntnis gelangt

Arno-Schmidt-Handbuch

Dienstag, 8. März 2022

Es ist jetzt gut fünf oder sechs Jahre her, dass ich erstmals gerüchteweise von einem ›Arno-Schmidt-Handbuch‹ gehört habe. Jetzt gibt es eine konkrete Ankündigung:

Arno-Schmidt-Handbuch. Hg. v. Axel Dunker u. Sabine Kyora. De Gruyter 2022, 600 Seiten.

Der Band soll sowohl als E-Book als auch als Hardcover erscheinen und zwar am 20. Oktober bzw. 3. November. Der Preis ist bei beiden Versionen gleich und liegt – wie bei derartigen Projekten wohl leider immer noch üblich – in fernen Mondgebirgen: 164,95 Euro.

Milchdrüsen

Freitag, 25. Februar 2022

Am 23. Juli 1959 schickte Hans Wollschläger eine insgeheim von Hansotto Hatzig angefertigte Abschrift von Karl Mays ›Frau Pollmer, eine psychologische Studie‹ an Schmidt, der den Erhalt am 25. Juli in seinem Tagebuch vermerkt. Schmidt hat das Manuskript sofort gelesen – und prompt findet sich eine Zitatspur im Werk.

Am 22. August schrieb Schmidt die Erzählung ›Trommler beim Zaren‹, in der gleich eine versteckte Anspielung auf Mays Abrechnung mit seiner Frau unterbrachte.

In Mays ›Frau Pollmer‹ heißt es auf S. 816:

Sie lernte die Männer verachten und verspotten, die für den Anblick zweier Milchdrüsen auf Gesundheit, Geld und Ehre verzichten.

Entsprechend formuliert der Ich-Erzähler zu Beginn in ›Trommler beim Zaren‹:

[…] dabei bin ich doch wirklich, schon rein äußerlich, nicht mehr in dem Alter, daß man mich im Verdacht haben könnte, der Anblick zweier Milchdrüsen vermöchte mich noch zum Trottel zu machen!

Auch sonst spukt May in dieser mehr als doppelbödigen, ziemlich vertrackten Geschichte untergründig herum und wird auch explizit genannt:

»Mensch, Du liest noch Karlmay?! Bei dem kommt doch nich een Auto vor! […]«

Termine

Mittwoch, 23. Februar 2022

Ein etwas verspäteter Hinweis: Im Rahmen des »Großen Dinggang«, dem Wettbewerb für komische Lyrik, hat die Arno Schmidt Stiftung den »Zimtfragment«-Preis für das beste komische Lebensmittelgedicht gestiftet. Einsendeschluss ist leider schon der 28. Februar. – Schmidt schrieb die 34 Strophen des ›Zimtfragments‹ – der Titel stammt von den Herausgebern – um 1949. Es findet sich BA I, 4, S. 155–159.

* * *

Am Donnerstag, den 5. Mai 2022, stellt Sven Hanuschek in der Regensburger Buchhandlung Dombrowsky seine Schmidt-Biographie vor, die am 11. April erscheinen soll.

* * *

Vom 22. bis zum 24. September findet im Bomann-Museum in Celle die Tagung »Arno Schmidt und das 19. Jahrhundert« statt. Es sind vier Sektionen zu folgenden Themen geplant:

  1. Schreibweise und Poetik
  2. Literarhistorie und Autorenporträts
  3. Karl May
  4. Texturbausteine

›Arno Schmidt im Literaturbetrieb der frühen Jahre‹

Mittwoch, 23. Februar 2022

In der Reihe ›BB Extrakt‹ ist der zweite Sammelband erschienen. ›Arno Schmidt im Literaturbetrieb der frühen Jahre‹ versammelt auf 172 Seiten Texte zum Thema, die in den letzten Jahren im ›Bargfelder Boten‹ erschienen sind. Das Inhaltsverzeichnis und die Vorbemerkungen des Herausgebers Friedhelm Rathjen können auf der Webseite zum Buch abgerufen werden.

Arno Schmidt im Literaturbetrieb der frühen Jahre. Aufsätze und ein Gespräch aus dem ›Bargfelder Boten‹. München, edition text + kritik 2022. 172 Seite, ISBN 978-3-96707-629-5, 24 Euro.

Vom Wert der Kleidung

Mittwoch, 23. Februar 2022

Die Ausstellung Vom Wert der Kleidung wurde bis zum 4. September verlängert. Wer sich einen kleinen Eindruck von der Ausstellung verschaffen möchte, findet bei Molitor neun Fotos.

Im Rahmen der Ausstellung ist am 24. März Nicolas Mahler zu Gast, der anhand

zahlreicher Bildbeispiele […] Einblicke in das Entstehen seiner Schmidt-Adaption [von ›Schwarze Spiegel‹], der Arbeit an Graphic Novels im Allgemeinen und die unterschiedlichen Zugänge bei seinen Verknappungen von Arno Schmidt und James Joyce

gibt.

Am 21. April liest Susanne Fischer unter dem Titel ›Genie-Assistenz‹ aus unveröffentlichten Briefen von Alice Schmidt. Am 5. Mai wird Oliver Schwehms Dokumentation ›Arno Schmidt – Mein Herz gehört dem Kopf‹ gezeigt.

Am 22. Februar widmete sich die ›Kulturzeit‹ der Ausstellung. Die Sendung kann bis zum 22. März in der ZDF-Mediathek abgerufen werden, der rund sechsminütige Beitrag zur Ausstellung beginnt ab ~16:45.

Schmidt-Biographie angekündigt [Update]

Sonntag, 23. Januar 2022

[23.1.2022] Nun aber: Jetzt wird der 11. April 2022 als Termin genannt.

[18.10.2021] Neuer Erscheinungstermin ist jetzt der 14. März 2022.

[1.7.2021] Auf der Webseite zum Buch wird jetzt der 14. Februar 2022 als Erscheinungstermin genannt.

[28.3.2021] Vor gut fünf Jahren kursierten in der ASml die ersten Hinweise, dass die »große Schmidt-Biographie« von Swen Hanuschek geschrieben werden soll. Dann hörte man lange Zeit nichts mehr davon, aber jetzt ist es offiziell – für den 25. Oktober kündigt der Hanser-Verlag an:

Sven Hanuschek, ›Arno Schmidt‹, Biografie, 608 Seiten, ISBN 978-3-446-27098-5, 36,00 Euro