Pamuk, Pocahontas und der Rest
In der Mittelbayerischen Zeitung assoziiert Thomas Dietz vor sich hin:
Deswegen stand Pamuk vor Gericht – wegen »Beleidigung des Türkentums«. Er wurde zwar freigesprochen, aber es drohen Haftstrafen in berüchtigten Gefängnissen. Aus vielen türkischen Buchläden sind Pamuks Bücher verschwunden. Dumpfe Angst ist im Spiel.
Das ist keine Kleinigkeit. Diese Vorgänge gleichen den finstersten und gruseligsten Kapiteln aus den Akten der Gedankenpolizei. Sofort denkt man an die stalinistischen Parteibonzen, die in Schostakowitschs Partituren herumschmierten, weil seine Klänge für Arbeiterohren zu verwegen wären. An die abstrusen Künstler-Verhöre der McCarthy-Ära im »Ausschuss für unamerikanische Umtriebe«. An die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den Schriftsteller Arno Schmidt in den 50-er Jahren wegen »Gotteslästerung und Pornographie«. Oder an den Mordaufruf gegen Salman Rushdie wegen seines Buches »Die Satanischen Verse«.

Ihr Kommentar