16. Januar 2012, 14.22 Uhr | Giesbert Damaschke
Wer sich Arno Schmidts Häuschen in Bargfeld ansieht, der wird wohl kaum auf die Idee gekommen, es zu den „schönsten Häusern der Welt“ zu zählen. Doch das sieht man beim Hochglanzmagazin „AD Architectural Digest” wohl anders. Denn AD zeigt laut Untertitel „die schönsten Häuser der Welt“ und bringt in der Februar-Ausgabe folgenden Artikel von Michael Maar:
Hinter der Fassade
In einem winzigen Refugium in der Lüneburger Heide schuf der Schriftsteller Arno Schmidt seine Sprachwelten
Es muss da wohl eher um die inneren Werte gehen. – So sieht es übrigens aus, das Haus:

Arno Schmidts Haus in Bargfeld. Foto: Giesbert Damaschke, April 2003
29. November 2011, 16.27 Uhr | Giesbert Damaschke

Fast hätte ich den obligatorischen Hinweis auf diese Neuerscheinung vergessen:
Arno Schmidt als Fotograf. Entwicklung eines Bildbewusstseins. Hrsg. Janos Frecot. Vorwort von Jan Philipp Reemtsma. Texte von Janos Frecot, Gabriele Kostas, Rainer Stamm und Thomas Weski. Gestaltung von Verena Gerlachl. Deutsch / Englisch. Hatje Cantz 2011. 160 Seiten, 64 Abbildungen, davon 40 farbig. ISBN 978-3-7757-3149-2. 29,80 Euro.
Aus der Verlagsankündigung:
Arno Schmidt (1914–1979) ist nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts – er schuf nebenbei auch ein fotografisches Werk, das seit den Publikationen und Ausstellungen ab 2003 mehr und mehr das Interesse der an Kunst und Fotografie interessierten Öffentlichkeit findet.
Seine Aufnahmen zeigen Orte, die er an Schauplätzen geplanter Erzählungen aufnahm; die meisten dokumentieren jedoch die norddeutsche Heidelandschaft um seinen Wohnort Bargfeld. In seinen Fotografien verwandelt er die Räumlichkeit der realen Landschaft in Farb- und Strukturflächen, die auf der Ebene des fotografischen Bildes Harmonie und Ausgewogenheit ausstrahlen. Mit seinem »gestaltenden Blick« gelingt es ihm immer wieder, aus unscheinbarsten Alltagsdingen wie einer Schubkarre und einem Wasserschlauch eindrucksvolle Stillleben zu generieren. Die Publikation untersucht dieses künstlerische Nebenwerk aus unterschiedlichen Perspektiven.
Auf der Verlagswebseite kann man ein wenig in einer verkleinerten Version des Buches blättern und sich eine Handvoll Bilder aus dem Pressebereich laden.
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22. Oktober 2011, 20.47 Uhr | Giesbert Damaschke
Verschwunden & wieder aufgetaucht
Am 11. Oktober wusste Bernd Rauschenbach den Lesern der ASml schlimme Dinge zu berichten:
Seit 1984 zeigen wir, nach Voranmeldung, Einzelbesuchern und Gruppen das Schmidtsche Wohnhaus. 27 Jahre lang ist bei diesen Führungen nichts gestohlen worden. […]
Jahrzehntelang lag auf der Wieland-Ausgabe im Regal über Schmidts Schreibtisch ein postkartengroßes Kartonstück, auf dem ein s/w-Fotodruck von Wielands Grab und ein getrocknetes Efeublatt geklebt sind; mit Tinte beschriftet in Schmidts Vorkriegs-Handschrift: “Gepflückt von / Wielands Grab / im Mai 1939 / Arno Schmidt” (abgebildet in “WuHi?” S. 124)
Dieses Kartonstück liegt dort nicht mehr. Es muß, wie wir vorhin bemerkten, in den letzten Wochen gestohlen worden sein.
Rauschenbach war über den Missbrauch des Vertrauens, das die Stiftung jedem Besucher entgegenbringt, merklich deprimiert und redete, in der Hoffnung, er könne ihn über die ASml erreichen, dem Dieb ins Gewissen:
Sollte also (ich weiß, es ist unwahrscheinlich) einem ASML-Teilnehmer zu Ohren kommen, wo sich das entwendete Stück befindet, wäre es schön, wenn er versuchen könnte darauf einzuwirken, daß uns das Stück (anonym und gut verpackt) zurückgegeben wird.
Und das Wunder geschah: eine Woche später, am 19. Oktober, erreichte folgende Jubelmail die Liste:
O happy day !
Ich weiß zwar nicht, wie es dazu gekommen ist – – – aber das Efeublatt ist wieder in Bargfeld. Ein anonymer Entwender ist zum anonymen Rücksender geworden. Schmidt-Leser sind eben doch gute Menschen.
22. Oktober 2011, 11.52 Uhr | Giesbert Damaschke
Unter dem schmeichelhaften Titel „Der Schriftgott aus Kassel“ findet sich in der Juli-Ausgabe von „Literaturen“ ein Portrait Friedrich Forssmans, das jetzt auch online nachgelesen werden kann.
22. Oktober 2011, 11.46 Uhr | Giesbert Damaschke
Pünktlich zu Buchmesse ist der im April angekündigte nächste Tagebuchband Alice Schmidts erschienen.
Alice Schmidt: Tagebuch aus dem Jahr 1956. Hrsg. v. Susanne Fischer. Frankfurt: Suhrkamp 2011. ISBN 978-3-518-80330-1. 216 Seiten mit 2 CDs. 28 Euro. (Versandkostenfrei bei Amazon bestellen
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Aus der Verlagsankündigung:
Nach langen Wanderjahren als Kriegsflüchtlinge hatten sich Arno und Alice Schmidt 1956 in ihrem neuen Wohnort Darmstadt etabliert. Der Maler Eberhard Schlotter und Schriftstellerkollegen wie Ernst Kreuder und Kasimir Edschmid zählten zu ihrem Freundes- und Bekanntenkreis – es war Arno Schmidts geselligste Zeit. Der Autor ließ sich sogar zu seiner einzigen öffentlichen Lesung aus seinen Werken überreden. [… ]Dem Band beigelegt ist eine CD mit der Aufnahme der einzigen öffentlichen Lesung Arno Schmidts am 18. Februar 1956 in der Waldschule Kronberg.
Im Anhang finden sich außerdem zwei lesenswerte Berichte Roland Schmids (Karl-May-Verlag) über Gespräche mit Arno Schmidt.
* * *
Ebenfalls neu zur Buchmesse: Ein neues, schön gemachtes Gesamtverzeichnis der Werke Arno Schmidts im Suhrkampverlag (A5, 36 Seiten, mit vielen Fotos).
28. September 2011, 22.58 Uhr | Giesbert Damaschke
Für Literaturkritik.de habe ich Josef Huerkamps dickes Dechiffrierbuch zum „Steinernen Herzen“ rezensiert. Die Rezension kann hier nachgelesen werden.
26. September 2011, 17.05 Uhr | Giesbert Damaschke
Das wurde aber auch Zeit: Im Rahmen von Hans Wollschlägers „Schriften in Einzelausgaben“ liegen nun auch endlich die „Herzgewächse“ vor. Das ist schön. Weniger schön ist natürlich, dass der Roman von Wollschläger nie beendet wurde und dass es nie wieder eine so schöne und angemessene Ausgaben geben wird, wie es die Erstausgabe in ihrer großformatigen Kladdenoptik war. Aber wir wollen nicht meckern, sondern uns draüber freuen, dass die Schriftenreihe fortgeführt wird und nun auch das opus magnum Wollschlägers umfasst. – Aus der Verlagsankündigung:
»Das ist mein Mittelpunkt, diese Herzgewächse, und das Drumherum sind Marginale«, sagte Hans Wollschläger über sein opus magnum. Er nannte es selbst ein »wahnwitzig umfangreiches, diffiziles, auch rücksichtsloses Buch«. Die »Herzgewächse« sind eine fiktive Künstlerbiographie in Form tagebuchartiger Aufzeichnungen. Der philosophische Schriftsteller Michael Adams, 1900 geboren, kehrt 1950 aus der Emigration in seine Heimatstadt Bamberg zurück. Von der Gegenwart, der frühen Adenauerzeit, bis in die Urvergangenheit menschlicher Kultur spannen sich die Einträge seines fiktiven Tagebuches. Immer stärker quälen ihn Paranoia und geistige Zerrüttung, bis er letztlich in der Psychiatrie landet. Überblendung, schnelle Schnitte und abrupte Brechungen kennzeichnen diesen Text, in dem verschiedene Sprach- und Bewusstseinsebenen einander ergänzen, immer neue Geschichten aufeinander zu und gegeneinander laufen.
Die »Herzgewächse« sind ihrer strukturellen Komposition nach Musik: Wortklang und Bedeutung gehen eine in der deutschen Literatur einmalige Synthese ein. Der Band gibt den Text der dritten Auflage von 1997 wieder, das einzige abgeschlossene Kapitel des zweiten Teils (VI) wird im Anhang abgedruckt. Hans Wollschlägers großes Romanwerk blieb unvollendet.
Herzgewächse oder Der Fall Adams. Fragmentarische Biographik in unzufälligen Makulaturblättern. Hrsg. v. Monika Wollschläger. Göttingen: Wallstein 2011. 544 Seiten. ISBN: 978-3-8353-0958-6. 38 Euro.
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14. September 2011, 18.33 Uhr | Giesbert Damaschke

Das im Mai angekündigte Buch „Arno Schmidt in Hamburg“ ist erschienen. Der üppig bebilderte Band richet sich laut Herausgeber Joachim Kersten an „ein Publikum, das über die Person, eines Menschen Kinheit und Jugend, Zugang zu seinem Werk finden möchte“. Neue Texte finden sich praktisch nicht (das meiste kennt man bereits aus dem „Porträt einer Klasse“), aber dafür wimmelt es nur so von neuen Bildern & Dokumenten. Der sehr schön gestaltete Band kann jedem Schmidt-Leser bedenkenlos empfohlen werden.
Arno Schmidt in Hamburg. Hrsg. v. Joachim Kersten. Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung. Mit zahlreichen, zum Teil farbigen Abbildungen und Faksimiles sowie zwei Plänen der Hamburger Stadtteile Hamm und Horn in den zwanziger Jahren auf den Innendeckeln. Bargfeld, Hamburg: Hoffmann und Campe 2011. 167 Seiten. ISBN 978-3-455-40345-9. 22,99 Euro.
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13. August 2011, 22.20 Uhr | Giesbert Damaschke
Im Deutschlandradio Kultur wird das dreiteilige Hörspiel „Nobodaddy’s Kinder“ wiederholt. Einrichtung: Klaus Buhlert. Beginn jeweils 18.30 Uhr:
14. August: Aus dem Leben eines Fauns
21. August: Brand’s Haide
28. August: Schwarze Spiegel
30. Juli 2011, 22.35 Uhr | Giesbert Damaschke
Ich hatte völlig vergessen, auf die Fotoausstellung in Lübeck hinzuweisen. Was ich hiermit tue. Die Ausstellung wird im Günter Grass-Haus noch bis zum 2. Oktober gezeigt. Weitere Informationen finden sich hier.
Im Rahmen des Literaturfests Niedersachsen erfährt man von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach am 22. September etwas über „Die Sequoia von 4000 Jahren“ bzw. „Arno Schmidts Zeit-Begriff“. Dazu liest Friedhelm Ptok die „Tina“. Beginn: 19.30; Ort: Gutsscheune Rose in Bargfeld. Weitere Informationen gibt es hier.
Im November wird die Fotoausstellung in Arles zu sehen sein. Zur Eröffnung gibt es vom 9. bis 11. November ein Symposium zu Arno Schmidt als Fotograf und Schmidts Rezeption in Frankreich.