Mondamin

25. Februar 2018, 14.17 Uhr | Giesbert Damaschke

In der Erzählung ›Großer Kain‹ heißt es über eine Figur, sie sei als »›Lückenbüßer‹ an einer der größten Zeitungen« tätig und müsse sich dort um »den ›Briefkasten‹« kümmern:

zu 90% fingiert, zu 10% wirklich=idiotische Erkundigungen von ›Lesern‹ […] ›Woher stammt das Wort MONDAMIN?‹ (Und die stoisch=irrsinnige Antwort: »E. Kr. in D. – Aus dem Indianischen; ›Korn des Großen Geistes‹, gleich Mais. Ihr Freund hat also seine Wette gewonnen.«).

Das klingt erfunden und parodierend (und sorgt bei Lesungen wohl immer wieder für einen Lacher), ist es aber wahrscheinlich gar nicht, sondern vermutlich wieder mal ein Zitat.

Zum einen: In der Wikipedia kann man erfahren, dass »Mondamin« in der Tat indianischen Ursprungs ist:

Am 29. Januar 1896 wurde beim Deutschen Markenamt die Wortmarke Mondamin […] eingetragen.[…] Der Name selbst wurde vom Wort für »Mais« in der Sprache der Ojibwa (monda(u)min) entlehnt […]. Der Sage nach war der Gott Mondamin der Freund der Menschen. Er starb im Kampf gegen den sagenhaften Häuptling Hiawatha, aus seinem beerdigten Körper wuchsen Maispflanzen.

Zum anderen: Der ›Briefkasten‹ war eine ständige Rubrik im ›Deutschen Hausschatz‹ – eben jener Zeitschrift, in der Unmengen an May-Romanen in Fortsetzungen erschienen –, in der die Redaktion anonymisierte Leserfragen exakt in dem Stil der Erzählung beantwortet hat.

Wenn die Marke Ende Januar 1896 eingetragen wurde, dann, vermute ich mal, dürfte »Mondamin« so ab Mitte 1896 im deutschen Sprachraum einigermaßen bekannt gewesen sein.

Ich halte es daher für mehr als wahrscheinlich, dass im 23. Jahrgang (Mitte 1896/Mitte 1897) des ›Deutschen Hausschatz‹ (den Schmidt besaß) exakt die von Schmidt gebrachte Frage samt Antwort steht (vermutlich mit anderem Adressaten, der bei Schmidt natürlich auf »Ernst Kreuder, Darmstadt« anspielt). 1896/1897 ist übrigens der Jahrgang, in dem im ›Hausschatz‹ der Vorabdruck von Mays ›Im Reiche des silbernen Löwen‹ beginnt – und mit May und speziell diesem Roman hat sich Schmidt zur Zeit der Niederschrift der Erzählung (Oktober 1961) intensiv beschäftigt.

Diese Vermutung müsste man jetzt einfach mal zu verfizieren versuchen. Aber dafür habe ich aktuell leider keine Zeit, also stell’ ich sie hier einfach mal in den Raum.