Hummersuppe und Champagner

Freitag, 3. Juli 2020

Im Dialog ›… denn ›wallflower‹ heißt ›Goldlack‹‹ vom Juli 1971 heißt es einmal:

Verleger & BuchHändler: Die freilich trinken ihren Wein (bzw. löffeln ihre HummerSuppe) aus Unsern Schädeln.

Eine ähnliche Formulierung findet sich In ›Abend mit Goldrand‹ (1974/75). Hier schwadroniert Egg:

an dem NichtErfolg meiner Bücher wird man dereinst den KulturTiefstand des deutschen Volkes demonstrieren, und wie es seine besten Köpfe nie verstand; (indes d Verleger ihre HummerSuppe aus AutorenSchädeln löffelt’n – aber dies nur nebenbei)

Dieses Bild vom Verleger, der sich an edlen Gerichten aus den Schädeln seiner Autoren delektiert, gehört zu den bekannteren Formulierungen Schmidts und wurde ihm jüngst in dieser Form untergeschoben:

»Die Verleger trinken Sekt aus den Hirnschalen ihrer Autoren.« Arno Schmidt

Das ist natürlich Quatsch und verdankt sich wohl einer schon getrübten Quelle, führt aber auf die richtige Spur, handelt es sich bei dem angeblichen Schmidtzitat doch um eine Variation eines bekannten Aphorismus’:

Verleger trinken Champagner aus den Hirnschalen ihrer Autoren

Von wem diese Aperçu eigentlich stammt, lässt sich nicht ausmachen (jedenfalls nicht von mir vom heimischen Schreibtisch aus; Google Books wirft dazu eine ganze Reihe von Treffern aus, die das Zitat aber entweder ohne Quellenangabe oder mit Verweis auf andere, mir jetzt nicht zugängliche Publikationen anführen).

Sicher scheint jedenfalls: von Schmidt stammt es nicht. Von Tucholsky oder Erich Kuby, denen es ebenfalls gelegentlich zugeschrieben wird, auch nicht. Bei Tucholsky ist es überhaupt nicht nachweisbar, für Erich Kuby führt die Wikipedia lediglich einen inzwischen nicht mehr korrekten Link zu »dradio.de, 12. September 2005« an. Der Link führt jetzt zur Startseite der ›Kulturpresseschau‹ – gut möglich, dass dort 2005 Erich Kuby mit diesem Zitat angeführt wurde, gut möglich auch, dass auch damals ein valider Nachweis gefehlt hat.

Den frühesten Nachweis hat Friedhelm Rathjen aufgetan, der bei Google Books einen Beleg aus dem Jahr 1958 gefunden hat, bei dem das Zitat (leider ohne konkreten Nachweis) dem Germanisten Friedrich Gundolf (1880–1931) zugewiesen wird.

Sicher ist schließlich auch dies: Die »HummerSuppe« ist eine genuine Schmidt-Zutat – lt. Auskunft von Susanne Fischer handelt es sich hier um eine Spitze gegen Schmidts Verleger Ernst Krawehl, der eine Vorliebe für Hummersuppe hatte.