Pagenstecher

24. März 2016, 10.34 Uhr | Giesbert Damaschke

Der Ich-Erzähler in „Zettel’s Traum“ heißt bekanntlich Daniel Pagenstecher. Über Schmidts Namenswahl wurde schon mehrfach spekuliert, jetzt hat Friedhelm Rathjen eine weitere, in der Forschung bislang wohl noch nicht erkannte Bedeutung gefunden:

Rätselhafter wird es schon beim Pagenstecher, dessen heute irritierend erotischen Beiklang sich Arno Schmidt für die Hauptfigur seines Romans „Zettels Traum“ zunutze gemacht hat. Dahinter verbirgt sich jedoch kein homophiler Adeliger, sondern ein Pferdemetzger, ein Abdecker oder jemand, der Hengste kastrierte. Der Wortbestandteil Page kommt vom niederdeutschen Wort Paag, Page „Mähre, altes Pferd“, stechen heißt hier „durch einen Stich töten, schlachten“.

Ob Schmidt diese Bedeutung allerdings gekannt hat, muss erstmal offen bleiben – eine kursorische Recherche in diversen alten Lexika des 19. Jahrhunderts brachte nur Treffer zu diversen Personen namens „Pagenstecher“. Aber das will ja nicht viel heißen.

Update: Wer einmal wissen will, wie Schmidt den Namen ausgesprochen hat, der kann sich dieses kurze MP3 anhören: „er heißt Herr Pagenstecher, Daniel mit Vornamen“ (Ausschnitt aus „Vorläufiges zu Zettels Traum“).

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