Eine Art Arno-Schmidt-Ersatz

29. November 2012, 16.19 Uhr | Giesbert Damaschke

In der Zeit rezensiert Alexander Cammann unter der Überschrift „Eine Art Hauptstadtersatz“ Hans Werner Richters Tagebücher 1966–1972 und Helmut Böttigers Buch zur Gruppe 47. Zu Beginn malt er sich aus, ob es heute ein Pendant zur Gruppe 47 geben könnte (Antwort: Nein). Dabei besetzt er das bekannte Personal mit heutigen Autoren: Burkhard Spinnen statt Hans Werner Richter, Daniel Kehlmann statt Günter Grass, Clemens J. Setz statt Peter Handke und so weiter. Und dann dies:

Martin Mosebach, der eigenwillige Solitär, lehnt die Einladung ab und fragt ironisch: »Muss man bei der Gruppe 97 auch singen, oder braucht man nur nackt vorzulesen?«

Martin Mosebach als Arno Schmidt? Was nicht gar.

(Hinweis von Ernst Schlagenhauf)

Jan Philipp Reemtsma zum 60. [Update]

26. November 2012, 11.47 Uhr | Giesbert Damaschke

Heute wird Jan Philipp Reemtsma 60. Eine kleine Linkliste:

(27.11: Link zum Hamburger Abendblatt wg. Bezahlschranke entfernt, neue Links aufgenommen.)

Der Zorn Gottes

2. August 2012, 23.27 Uhr | Giesbert Damaschke

Cover der spanischen Ausgabe von Nobodaddy Kinder „Anfang des Jahres“, so informiert Bernd Rauschenbach die ASml, „ist im spanischen Verlag Debolsillo ‚Los hijos de Nobodaddy‘ erschienen – und vor ein paar Tagen erhielten wir das Belegexemplar für die DRITTE Auflage!!“

Auslöser für „den Alle überraschenden Erfolg“ war eine Rezension von Juan Goytisolo in „El Pais“ vom 26. Mai 2012, der die Übersetzung als „Das literarische Ereignis 2012“ feierte.

Michael Meinert wies darauf hin, dass die recht ausführliche Besprechung online verfügbar ist: Así suena la cólera de Dios. Ich kann nun leider kein Spanisch, aber laut Google Translate heißt das: „Das klingt wie der Zorn Gottes“. Und das passt ja sehr gut.

Das war natürlich was ganz besonderes

22. Mai 2012, 22.49 Uhr | Giesbert Damaschke

Arno Schmidts Drachen für Helmut Neises

In Alice Schmidts  „Tagebuch aus dem Jahr 1954“ findet sich auf S. 295 eine Fotografie, auf der man Arno Schmidt sieht, wie er einen Drachen steigen lässt. Den Hintergrund zu diesem (im TB-Band nicht kommentierten Foto) erzählt Helmut Neises, Sohn der Familie Neises, bei denen die Schmidts von 1951 bis 1955 zwei Zimmer bewohnten, in einem SWR-Beitrag vom 21. Mai über die „Kirchstraße in Kastel-Staadt“ ab 6:44:

Herr Schmidt war ja nicht direkt der kinderfreundliche Mann gewesen. Und deswegen einmal schon ne Überraschung gewesen, wie er ankam und sagt, er hätte mir einen Drachen gebastelt, er würde ihn mir schenken, und hat ihn auch selbst ausprobiert mit mir hinterm Haus. Das war natürlich was ganz besonderes, woran man eigentlich nicht dachte.

Der Beitrag zu Schmidt beginnt bei 5:40. Der Link wird wohl leider nicht allzulange gültig bleiben, da die ARD Beiträge aus der Mediathek in regelmäßigen Abständen löscht bzw. löschen muss, die Datei lässt sich aber lokal speichern.

Zwei Briefe und eine Postkarte Arno Schmidts

6. Mai 2012, 15.36 Uhr | Giesbert Damaschke

Im Katalog Literatur des Autographenhauses Stargardt finden sich als Posten 243 zwei Briefe und eine Postkarte Arno Schmidts an „den Gymnasiallehrer Günter Waldmann in Moers, der seine Schüler mit Schmidts Werk bekannt machen wollte“. Die Briefe sind vom 28. Juni 1955 und vom 6. März 1956, die Postkarte vom 19. November 1956. Briefe und Postkarten werden im Katalog (teilweise) transkribiert, Der Brief vom 6. März 1956 als Faksimile abgebildet. Kostenpunkt: 2.000 Euro, mit dem Vermerk: „Autographen von Arno Schmidt sind sehr selten im Handel“.

Der Katalog steht als PDF-Datei bereit.

2 Vorankündigungen

26. April 2012, 16.10 Uhr | Giesbert Damaschke

Für Mai/Juni bzw. Frühjahr 2012 kündigt Aisthesis an:

Ulrich Klappstein: ›Nordlichter‹
Theodor Däubler im Werk Arno Schmidts. Aisthesis 2012. ISBN 978-3-89528-926-2. Ca. 120 Seiten. 19,80 Euro.

Georges Felten: Explosionen auf weiter Flur
Narration, Deskription und ihre ästhetisch-politischen Implikationen in zwei Texten von Arno Schmidt und Peter Weiss. Aisthesis 2012. ISBN 978-3-89528-921-7. Ca. 620 Seiten. 48,00 Euro.

Arno Schmidt schreibt komisch

23. April 2012, 11.48 Uhr | Giesbert Damaschke

Aus der Allgemeinen Zeitung, Rheinhessen:

Amüsant gibt er [Andreas Wagner] zwischen Leseproben aus seinem neuen Roman „Hochzeitswein“ tiefe Einblicke ins Leben auf einem rheinhessischen Dorf […] und liest schmunzelnd eine Passage aus Arno Schmidts Buch „Die Umsiedler“ („Wundern Sie sich nicht, dass das komisch klingt. Arno Schmidt schreibt komisch.“), in der es heißt: „Die Rheinhessen sind gar keine Menschen. Sie sind Bauern.“ Er sei sehr erleichtert gewesen, dass Schmidt da nicht von seinem Heimatort Essenheim, sondern von Gau-Bickelheim geschrieben habe…

Gemeint ist wohl folgende Stelle (BA I/1, 289):

»Nich ärgern,« sagte mir Katrin unerschütterlich, »das sind doch gar keine Menschen. Sind doch Bauern.«

Arno Schmidt und das Kino

11. April 2012, 16.41 Uhr | Giesbert Damaschke

Im Juni soll erscheinen:

Cover Öztanil Stumme LichtzeichenGuido Erol Öztanil: »Stumme Lichtzeichen«. Arno Schmidt und das Kino
Wehrhahn 2012. ISBN 978–3–86525–266–1. 800 Seiten, ca. 300 Abbildungen. 39,80 Euro.

Aus der Verlagswerbung:

»A[rno] war begeistert«, notierte Schmidts Frau nach dem Kinobesuch von René Clairs Unter den Dächern von Paris (1930) in ihrem Tagebuch.

Die dokumentierte Begeisterung steht im Widerspruch zur allgemein herrschenden Vorstellung von Arno Schmidt als ein die Kinematographie verachtender Schriftsteller, der das Amüsement vermeintlich trivialer Leinwandprojektionen vehement ablehnte. Vorliegendes Buch korrigiert diese Ansicht und lässt einen Autor hervortreten, der schon früh in den Bann der bewegten Bilder geriet und über drei Jahrzehnte hinweg sporadisch in die Welt des Kinos eintauchte.

[…]

»Stumme Lichtzeichen« vereinigt biographische Forschung, Wahrnehmungs- und Kulturgeschichte, Filmarchäologie und Literaturwissenschaft, ist mit seinen zahlreichen Standbildern, Filmprogrammen, Plakaten, Annoncen und Starpostkarten eine opulent ausgestattete Kino-Publikation.

Was würden Sie tun, wenn …

21. Februar 2012, 2.31 Uhr | Giesbert Damaschke

Was wäre Ihre erste Maßnahme, wenn Sie Staatsoberhaupt in der Bundesrepublik würden?

Abdanken.

Arno Schmidts Antwort auf eine Rundfrage der Schwäbischen Donau-Zeitung 1959/1960; zitiert nach BA Sup 2, S. 201

Eines der schönsten Häuser der Welt

16. Januar 2012, 14.22 Uhr | Giesbert Damaschke

Wer sich Arno Schmidts Häuschen in Bargfeld ansieht, der wird wohl kaum auf die Idee gekommen, es zu den „schönsten Häusern der Welt“ zu zählen. Doch das sieht man beim Hochglanzmagazin „AD Architectural Digest“ wohl anders. Denn AD zeigt laut Untertitel „die schönsten Häuser der Welt“ und bringt in der Februar-Ausgabe folgenden Artikel von Michael Maar:

Hinter der Fassade
In einem winzigen Refugium in der Lüneburger Heide schuf der Schriftsteller Arno Schmidt seine Sprachwelten

Es muss da wohl eher um die inneren Werte gehen. – So sieht es übrigens aus, das Haus:

Haus Arno Schmidts in Bargfeld. Foto: Giesbert Damaschke

Arno Schmidts Haus in Bargfeld. Foto: Giesbert Damaschke, April 2003