„Zettel’s Traum“ für 100 Euro

23. November 2013, 16.17 Uhr | Giesbert Damaschke

Im Jubliäumsjahr 2014 bietet Suhrkamp die vierbändige Studienausgabe von „Zettel’s Traum“ für 100 Euro (statt 248 Euro) an. Die Aktion ist zeitlich begrenzt und beginnt am 1. Januar 2014.

„Feenpalast“

20. November 2013, 23.31 Uhr | Giesbert Damaschke

Aktuell lese ich „Schwere Zeiten“ von Charles Dickens (in der mäßigen Kindle-Edition und der mäßigen Übersetzung von Carl Kolb). Da heißt es zu Beginn von Kapitel 10:

Die Lichter in den großen Fabriken, die, wenn sie erleuchtet waren, wie Feenpaläste aussahen – wie die mit Luxus-Expreß-Reisenden wenigstens behaupten – waren sämtlich ausgelöscht, …

Bei den „großen Fabriken“ handelt es sich um Webereien bzw. Textilfabriken allgemein.

Bei dieser Stelle fiel mir eine Passage ein, die ich in den „Umsiedlern“ verortete, dort aber nicht fand. Stattdessen wurde ich in „Rollende Nacht“  fündig (das ja wiederum ein separat veröffentlichter Auszug aus den „Umsiedlern“ ist):

Aber sie rettete mich selbst, als ihr Blick zufällig aus dem Fenster fiel: »Also wie ein Feenpalast!«. Die Fabrik war nämlich schon jetzt, um halb Sechs, über und über erleuchtet, sah aus ihrer ernsten Front hundertäugig in die Winternacht, und ich dachte – dachte: ich mußte ja vorsichtig sein! – wie es wohl in einem Kopf aussehen möge, dem beim Anblick eines Textilwerkes das Wort ‹Feenpalast› einfiel: so eine darf nun auch wählen!

(BA I/4, 121)

Ähnlich auch in „Bedeutend; Aber …“ (BA III/3, 498) und „Dichter und ihre Gesellen“ (BA III/4, 419).

Arno Schmidt und „Weimar“

17. November 2013, 13.57 Uhr | Giesbert Damaschke

Arno Schmidt WeimarDas Bändchen versammelt die zusammenhängende Texte Arno Schmidts, in denen es um die „Weimarer Klassik“ geht: „Vorspiel“ (aus „Dya Na Sore“), „Wieland oder die Prosaformen“, „An Uffz. Werner Murawski“, „Goethe und Einer seiner Bewunderer“ und „Herder oder vom Primzahlmenschen“.

Im einleitenden Essay „Die Konstellation Weimar“ zeichnet Jan Philipp Reemtsma die Entwicklung nach, die aus dem eher verschlafenen Provinznest Weimar eine wirkmächtige „historisch-normativen Bezugsgröße“ des literarischen Lebens werden ließ. Im zweiten Teil seines Essay stellt er dann Arno Schmidts Funkessays vor und geht ausführlich darauf ein, dass ausgerechnet Schiller fehlt, dem Schmidt in seinen frühen „Dichtergesprächen“ noch nicht einmal einen Platz im Elysium zubilligt.

Das Büchlein lässt mich etwas ratlos zurück. Schmidt-Lesern bietet es wohl kaum Neues, wer Schmidt noch nicht kennt, wird ihn durch die Fokussierung auf die doch recht spezielle Frage, wie Schmidt es denn nun mit „Weimar“ hielt, auch nicht unbedingt kennenlernen.

»Na, Sie hätten mal in Weimar leben sollen!«. Übe Wieland – Goethe – Herder. Hrsg. von Jan Philipp Reemtsma. Stuttgart: Reclam, 2013. 234 Seiten. ISBN 9-78-3-15-018979-5. 6,40 Euro.[= RUB 18979]

Arno Schmidts erfolgreichstes Buch

13. November 2013, 19.01 Uhr | Giesbert Damaschke

Wenn ich hätte raten sollen, welches Buch Arno Schmidts am erfolgreichsten ist, ich hätte wohl auf „Das steinerne Herz“ getippt.

Aber nein, es ist ein Roman, der mir beim Stichwort „Schmidt“ immer erst mit einiger Verzögerung einfällt und der bei mir kaum Lektürespuren hinterlassen hat – vielleicht sollte ich ihn noch einmal lesen:

Die Auseinandersetzung mit der örtlichen Künstlerkolonie gipfelt schließlich in dem dystopischen Roman Die Gelehrtenrepublik […]. Dieser groteske Roman hat inzwischen zahlreiche Auflagen erlebt und ist Arno Schmidts erfolgreichstes Buch.

Schreibt Susanne Fischer, die es schließlich wissen muss, in ihrem Vorwort zu „Arno Schmidt zum Vergnügen“.

Der Band bietet – ähnlich wie „Arno Schmidt für Boshafte“ – eine in verschiedene Kapitel gruppierte „Blütenlese aus dem Werk“. Die einzelnen Einträge werden im Anhang in knapper Form nachgewiesen, wobei man erfreut feststellt, dass hier nicht nur mehr oder weniger bekannte Ausschnitte präsentiert werden, sondern sich auch einige Einträge mit dem Vermerk „ASS“ finden – was für „Unveröffentlichtes Material aus dem Archiv der Arno Schmidt Stiftung“ steht. Insgesamt gibt es davon (wenn ich mich nicht verzählt habe) zehn Einträge, allerdings sollte man das mit dem „unveröffentlicht“ nicht auf die Goldwaage legen, einiges findet sich auch im parallel erschienen Briefband, da haben sich die Editionen ein wenig unglücklich überschnitten.

Aber das sollte einem die Freude an dem handlichen Büchlein nicht trüben. Das durch 13 Zeichnungen und Fotos aufgelockerte Bändchen lädt zum Schmökern und Stöbern ein – selbst wer vieles kennt, kennt doch nicht alles und kann hier noch manchen lustigen Fund machen oder sich zumindest amüsiert erinnern lassen. Das Vorwort von Susanne Fischer gibt einen konzisen Abriss über Schmids Leben und Werk und tut sein bestes, die vielleicht vorhandene Scheu vor dem als kompliziert und schwierig geltenden Autor zu bannen.

Ein wirklich hübsches Büchlein und ideales Mitbringsel.

Arno Schmidt zum Vergnügen. Hrsg. v. Susanne Fischer. Mit 13 Abbildungen. Stuttgart: Reclam, 2013. 191 Seiten. ISBN 978-3-15-018931-3. 5,00 Euro. [= RUB 18931]

»Und nun auf, zum Postauto!!«: Briefe von Arno Schmidt

4. November 2013, 13.04 Uhr | Giesbert Damaschke

Als die Arno Schmidt Stiftung 1985 damit begann, die Briefe Arno Schmidts nicht in der von anderen Editionen gewohnten Form, bei der nur die Briefe desjenigen erscheinen, dem die Edition gewidmet ist, sondern als Briefwechsel zu publizieren, da ging die Arbeit recht gut voran.

Der Editionsplan der Briefe

Zu Buchmesse 1984 stellte man im ersten „Gesamtverzeichnis der Editionen der Arno Schmidt Stiftung“ den „Editionsplan der Briefe“ vor. Angekündigt wurden für Frühjahr 1985 als Band I der Briefwechsel mit Alfred Andersch, im Frühjahr 1986 sollte als Band II der mit Wilhelm Michels folgen, für das Jahr darauf (Frühjahr 1987) stand als Band IV der Briefwechsel mit Hans Wollschläger auf dem Programm.

Ohne Jahreszahl wurden die Briefwechsel mit Eberhard Schlotter (Band III), mit Verlegern (Band VI) und mit Lesern (Band VII) angeführt. Band V sollte „Kleinere Briefwechsel“ mit Kollegen und Band VIII „Familiäre Korrespondenz“ enthalten.

Der Editionsplan wurde zwar nicht eingehalten, aber das ist bei großen Editionsprojekten ja durchaus üblich und kaum zu vermeiden. Mit leichter Verzögerung erschien im Herbst 1985 der Briefwechsel mit Alfred Andersch, im Sommer 1987 folgte der Briefwechsel mit Wilhelm Michels. Dann trat eine Pause ein. Statt des sehnlichst erwarteten Briefwechsel mit Hans Wollschläger erschien im Herbst 1991 der zwischenzeitlich für Herbst 1989, dann für Herbst 1990 angekündigte Band III (Briefwechsel mit Eberhard Schlotter).

Doch dann herrschte jahrelang Stille. Am Editionsplan der Briefe wurde festgehalten, aber mit Ankündigungen und Jahreszahlen hielt man sich fortan, wohl durch Erfahrung eines besseren belehrt, lieber zurück. Erst im Herbst 2007 erschien der „Briefwechsel mit Kollegen“ als Band V der Briefedition.

Briefe von Arno Schmidt

Zur Buchmesse 2013 legte die Stiftung nun zwar leider immer noch nicht den Briefwechsel zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger vor, doch dafür präsentierte man außerhalb der Briefedition und der Bargfelder Ausgabe mit „‚Und nun auf, zum Postauto!!‘: Briefe von Arno Schmidt“ einen wunderschönen Band mit 160 Briefen Arno Schmidts an Freunde, Leser, Verleger und Kollegen.

Die von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach herausgegebene Ausgabe versammelt „eine chronologisch geordnete Auswahl von Briefen und Briefentwürfen Arno Schmidts“, in denen sich „Schmidts Selbstverständnis als Schriftsteller“ dokumentiere, wobei „einige Briefe […] selbst literarische Zeugnisse“ seien.

In der Tat. Auch dem versierten Schmidt-Leser, der die bereits andernorts publizierten Briefe an Andersch, Michels oder Schlotter kennt, öffnet sich eine wahre Fundgrube an amüsanten, anrührenden und mitunter auch irritierend seltsamen Texten. Manche Briefe wirken wie, je nun: ganz normale Briefe, andere wurden von Schmidt fast schon wie eine Prosaminiatur komponiert und rechtfertigen die Behauptung der Herausgeber, dass die Briefe „selbst literarische Zeugnisse“ seien.

Wer auf den Schmidt/Wollschläger-Briefwechsel wartet, der liest natürlich zuerst die Briefe an Wollschläger (Nummern 70, 80, 87, 91, 94, 98, 107, 110, 113, 114, 124 und 127). Doch auch die vielen bislang unveröffentlichten Briefe an Reemtsma, an Leser, an Verlage/Verleger, Lektoren, Familienmitglieder oder Schulfreunde sind allesamt eine lohnende Lektüre und eröffnen vielfach einen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs und in den Arbeitsalltag Arno Schmidts (wobei natürlich nicht alles für bare Münze genommen werden darf – in den Anmerkungen zu den Briefen finden sich ab und an korrigierende Hinweise).
Da wird um Honorare gefeilscht, da gibt er Wollschläger Tipps aus seiner langjährigen Autorenpraxis und warnt ihn vor Verlegern:

Niemand kann besser wissen als ich, daß alle Verleger Ganoven sind; und das Geschacher um die Pfennige für beste Arbeit gehört zu dem entwürdigsten in unserm ganzen Beruf.

Er spart aber auch nicht mit Kritik und haut Wollschläger eine Poe-Übersetzung um die Ohren (wobei er immer wieder beteuert, es handele sich „Kleinigkeiten“ und schließlich sei es „immer noch angenehmer, wir machen uns gegenseitig auf dergleichen aufmerksam, als daß wir’s boshaften Rezensenten in den Zeitungen überlassen“), beantwortet überraschend geduldig (wenn auch mit, so will mir scheinen, genervtem Unterton) Detailfragen eines Lesers oder verbittet sich nachdrücklich, dass ihm Nabokov in die geplante und leider nie zustande gekommene Übersetzung von „Pale Fire“ hineinredet:

Nun wäre es natürlich auf’s wildeste möglich, daß er, als bestseller=Autor, die Bedingungen mit dem Schwerte in der Hand zu diktieren gewohnt ist, (Sie deuten das, ganz vorsichtig, an) – also wenn diese, unangenehm naheliegende, Möglichkeit ›drin‹ wäre: dann schick’ ich Ihnen ›Pale Fire‹ sofort wieder zurück!

Wie geht’s weiter?

Der Band macht natürlich Lust auf mehr – und es warten wohl noch so manche Funde und Überraschungen auf die Schmidt-Leser. Susanne Fischer teilte in der ASml mit, das Archiv der Arno Schmid Stiftung beherberge 12 Leitzordner mit Briefen von Arno und Alice Schmidt (ohne Gegenbriefe), und der Briefwechsel mit Ernst Krawehl umfasse gar 16 Leitzordner. Hier arbeitet man derzeit an der Texterfassung, plane aber nicht, den kompletten Briefwechsel zu publizieren (das wäre, bei aller Liebe, denn auch zu viel des Guten – bei einer derartigen Masse muss klug ausgewählt werden, wer’s genauer wissen will, muss sich dann halt nach Bargfeld begeben).

Die Arbeit am Wollschläger-Briefwechsel schreitet voran, einen Termin mochte Fischer aber nicht nennen. Aber das macht auch nichts. Gut Ding will bekanntlich Weile haben – und bis der Wollschläger-Briefwechsel erscheint, wird uns die Stiftung wohl noch mit manch anderen schönen Editionen überraschen.

Und überhaupt habe wir ja den nun vorliegenden, jedem Schmidt-Leser nachdrücklich zu empfehlenden Briefband: Mehr davon!

»Und nun auf, zum Postauto!!«. Briefe von Arno Schmidt. Herausgegeben von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach. 295 Seiten. ISBN 978-3-518-80370-7. 29,00 Euro.

Die Arno-Schmidt-Mailingliste ist aktuell offline [UPDATE: online]

3. November 2013, 19.58 Uhr | Giesbert Damaschke

UPDATE 4.11.: Die Liste ist vorläufig wieder online
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In den letzten ein, zwei Stunden kam es zu einer massiven Spam-Attacke auf den Listenserver, über den die Arno-Schmidt-Mailingliste läuft.

Die Liste musste vorerst abgeschaltet werden.

Es ist derzeit nicht abzusehen, wie es mit der Liste weitergehen wird. Mit etwas Glück lässt sich das Problem abwenden, im schlimmsten Fall wird die Liste auf einen anderen Server umziehen, was allerdings einige Zeit dauern wird.

Buchpreis für Joachim Kersten

29. Oktober 2013, 19.04 Uhr | Giesbert Damaschke

Joachim Kersten hat für „Arno Schmidt in Hamburg“ den erstmals vergebenen Buchpreis HamburgLesen bekommen. Der Buchpreis wird von der Staatsbibliothek Hamburg verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung fand am 25. Oktober statt. Derzeit scheint die Laudatio noch nicht online zu sein, aber laut Börsenblatt hat die Jury vor allem die „lebendige Darstellung ‚von einem guten halben Jahrhundert versunkenes Hamburg‘“ hervorgehoben und das Buch als „kraftvolles und sattes Hamburgintensiv-Buch“ gewürdigt.

Bildband kommt erst im März

26. Oktober 2013, 17.16 Uhr | Giesbert Damaschke

Der ursprünglich für den 9. Dezember angekündigte Bildband wird nun für den 10. März erwartet:

Arno Schmidt, Bargfeld Nr. 37.
Ein Album. Herausgegeben von Bernd Rauschenbach. 280 Seiten. ISBN 978-3-518-80360-8. Ca. 49 Euro.

Aus der Verlagsankündigung:

Dieser aufwendig gestaltete Bildband gibt erstmals detaillierte Einblicke in die entlegene Welt eines der ganz Großen der Literatur. Kurioses steht da neben Rührendem, Bedeutendes neben Praktischem: ein Glaspokal Friedrichs des Großen und Arno Schmidts Schnapskrug, Zeichnungen von »Mördern im Walde« und »Kalenderherren«, der geheime Familienschrein, dazu teils unbekannte Fotos und private Dokumente. Werkzitate und solche aus Briefen und Tagebüchern sowie Kommentare des Herausgebers fügen die persönlichen Gegenstände zu einem noch nie gesehenen Bild von Arno Schmidts Leben und Werk.

Briefband erschienen

26. Oktober 2013, 17.09 Uhr | Giesbert Damaschke

Der für den 21. Oktober angekündigte Briefband ist pünktlich erschienen:
»Und nun auf, zum Postauto!!«
Briefe von Arno Schmidt. Herausgegeben von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach. 295 Seiten. ISBN 978-3-518-80370-7. 29,00 Euro.

Aus der Verlagsankündiung:

Mehr als 150 Briefe Arno Schmidts versammelt dieser Band, die meisten davon bislang unpubliziert. Unter den Empfängern finden sich Mutter und Schwester, Kriegs- und Schulkameraden, Verleger und Autoren. Die Korrespondenz gibt pointiert formulierte Einblicke in den entbehrungsreichen und ungeheuer disziplinierten Alltag und dient dabei immer auch der Selbstvergewisserung als Schriftsteller: Arno Schmidt erzählt in seinen Briefen anschaulich und witzig vom Leben und vom Schreiben.

Zum Hundersten

26. Oktober 2013, 16.56 Uhr | Giesbert Damaschke

Nächstes Jahr feiert die Arno Schmidt Stiftung Arno Schmidts 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird es eine Reihe von Veranstaltungen geben. Der aktuelle Terminplan auf den Seiten der Stiftung deckt das erste Halbjahr ab, es werden wohl noch weiter folgen.

Zur Buchmesse hat die Stiftung einen neuen Prospekt vorlegt. Wer noch nicht im Verteiler der Stiftung ist oder den Prospekt als PDF-Datei haben möchte, wende sich an info@arno-schmidt-stiftung.de.