Das Bücherland und andere literarische Gegenden
Auf die Ausstellung zur fiktiven Architektur, die noch bis zum 11. März in der Münchner Pinakothek der Moderne zu sehen ist, wurde ja schon hier, hier und hier hingewiesen. Nachdem ich letzten Sonntag die Ausstellung besucht habe, möchte ich es ncoh einmal tun. Ein Besuch lohnt sich.
Wer nicht allzuviel Zeit hat und weiß, wie ein Buch aus dem 16. Jahrhundert aussieht, der kann die vorderen Stücke getrost überspringen (Turm zu Babel, himmlisches Jerusalem etc.) – spannend wird’s weiter hinten.
Da finden sich dann die obligatorischen Schmidtiana, aber die »kennt man ja«. Mir gänzlich unbekannt waren etwa Ecos Skizzen und Entwürfe der Abtei im »Namen der Rose«. Oder das Papptheater zu Hauffs »Lichtenstein« (die fiktive Burg wurde nach dem großen Erfolg des Romans tatsächlich gebaut, damit die Leser sagen können, dass alles in Wirklichkeit tatsächlich so aussehe wie bei Hauff – und wer sagt mir eigentlich, dass die Stiftung nicht ganz Bargfeld nach SEinem Bild gemodelt hat, damit es unsereins dann ähnlich gehe?). Oder die verschiedenen Versuche, »Roithamers Kegel« aus Bernhards »Korrekturen« nachzubauen (was, allen konkreten Beschreibungen zum Trotz, anscheinend nicht ganz einfach, ja, sogar unmöglich zu sein scheint) – oder oder oder –: es gibt viel zu bestaunen und besehen.
Schmidt taucht dann auch noch als Zitat auf, etwa bei Stephan Hubers »Karte 07«, wo es ein »Mare Crisium« gibt und die »Gelehrtenrepublik«. Und zwei Beispiele für Piranesis »Kerkerbilder« (die bei Schmidt ja auch auftauchen) gibt es natürlich auch.
Man sollte aber nicht wie ich am Sonntag hingehen, dann ist es nämlich – Museumstag! Nur 1 Euro Eintritt! – ziemlich voll (zumal die Ausstellung auch gut einen Raum mehr hätte füllen können, so herrschte eine gewisse Enge, die mich dann etwas früher als geplant den Rückzug antreten ließ).
Der wuchtige Katalog (den es im Museumsshop für 39 Euro gibt) kann ebenfalls nur empfohlen werden, nicht nur wegen der zahlreichen Schmidt-Nennungen.
Aber, dass ich’s nur gestehe, was mir am besten gefallen hat, war Alphons Woelfles »Karte des Bücherlandes«, wo hoch im Norden der »Urquell des Wissens« entspringt, durch die »Zellulose-Wälder« fließt, um im »Tinten-Meer« zu münden, das direkt neben den »Schluchten der Druckfehlerteufel« liegt, unweit der »Zwiebelfischereien«. Weiter unten im Land findet man dann die »Bestseller-Plantagen«, eine »Roman-Rennbahn«, das liebliche »Schloß Platitude« und seinen Ländereien, den »Gemeinplätzen«, es gibt die noch»unerforschten Absatzgebiete«, aber auch »abgegraste Gebiete« und, für jeden Dichter unverzichtbar, die »Hungertuchwebereien«. Der »Leuchtturm des Börsenvereins« bewacht den »Ausfuhr-Hafen« und so weiter und so fort.
Eine wirklich lustige Karte. Und wer es nicht nach München schafft, der kann sie sich auch hier ansehen.

Ein Kommentar zu Das Bücherland und andere literarische Gegenden
Bücherlei Weblog » Blog Archive » #1243 schreibt:
6. Juli 2010, um 19:40
[...] erlebte bis heute zahlreiche Nachdrucke, auch im Postkartenformat. – Giesbert Damaschke schrieb dazu: “Was mir am besten gefallen hat, war Alphons Woelfles ‘Karte des [...]
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