„Das ist Unsinn“

21. Dezember 2013, 14.23 Uhr | Giesbert Damaschke

Bei Arte gibt es im Vorfeld der Dokumentation zum 100. Geburtstag ein Interview mit Jan Philipp Reemtsma, in dem es wohl vor allem darum zu gehen scheint, die üblichen Vorurteile zu Schmidt aus dem Weg zu räumen:

ARTE: Ein Kritiker sagte, er bräuchte einen ganzen Schreibtisch an Begleitlektüre, um „Zettel’s Traum“ zu verstehen.

Jan Philipp Reemtsma: Das brauchen Sie bei vielen anderen großen Romanen auch, nämlich dann, wenn Sie ein Studium daraus machen wollen, aber nicht, wenn es um die einfache Lektüre geht. Ich würde Ihnen vielleicht nicht unbedingt raten, mit „Zettel’s Traum“ zu beginnen, wenn Sie Schmidt lesen wollen, sondern mit einem der frühen Romane wie der Nachkriegsgeschichte „Brand’s Haide“ (1951). Trotzdem kann jeder „Zettel’s Traum“ lesen.

ARTE: Sind wir heute wirklich so weit, das Werk von Arno Schmidt zu verstehen?

Jan Philipp Reemtsma: Es ist nur ein von Journalisten mitgeschlepptes Vorurteil, die Literatur von Arno Schmidt sei schwierig. Das ist Unsinn. Schmidt wurde und wird gelesen – von Menschen, die Vergnügen an seinen Büchern haben wie an anderen Büchern auch. Er wird gelesen an Schulen und Universitäten wie andere Autoren auch.

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Ein Kommentar zu „Das ist Unsinn“

Andre
24. Dezember 2013, um 15:59

Ich habe angefangen, Schmidt „zum Vergnügen“ zu lesen, als ich 16 Jahre alt war, noch in der Ausbildung begriffen und weit weg vom Abitur, das ich erst später nachgeholt habe. Ich bin Schmidt, von kleinen Schwankungen abgesehen, mein Leben lang treu geblieben, habe Spaß mit seinen Texten, von denen ich heute natürlich mehr verstehe, weigere mich aber weiterhin standhaft, mich mit der Schmidt-Sekundärliteratur zu befassen. Schmidt erklärt sich hinreichend mit Schmidt. Und was ich nicht selbst erkennen und „deuten“ kann, will ich auch von niemand anderem „dechiffriert“ haben. So bleibt die Schmidt-Lektüre ein Abenteuer, das mir in jedem Lebensjahrzehnt wieder Vergnügen bereitet und neue Erkenntnisse bringt. Neben Loriot hat mich kein moderner Autor so zum Lachen gebracht.

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