Arno Schmidt in Hamburg

14. September 2011, 18.33 Uhr | Giesbert Damaschke

Das im Mai angekündigte Buch „Arno Schmidt in Hamburg“ ist erschienen. Der üppig bebilderte Band richet sich laut Herausgeber Joachim Kersten an „ein Publikum, das über die Person, eines Menschen Kinheit und Jugend, Zugang zu seinem Werk finden möchte“. Neue Texte finden sich praktisch nicht (das meiste kennt man bereits aus dem „Porträt einer Klasse“), aber dafür wimmelt es nur so von neuen Bildern & Dokumenten. Der sehr schön gestaltete Band kann jedem Schmidt-Leser bedenkenlos empfohlen werden.

Arno Schmidt in Hamburg. Hrsg. v. Joachim Kersten. Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung. Mit zahlreichen, zum Teil farbigen Abbildungen und Faksimiles sowie zwei Plänen der Hamburger Stadtteile Hamm und Horn in den zwanziger Jahren auf den Innendeckeln. Bargfeld, Hamburg: Hoffmann und Campe 2011. 167 Seiten. ISBN 978-3-455-40345-9. 22,99 Euro.

Versandkostenfrei bei Amazon bestellen

Kommentar hinzufügen | Trackback.

5 Kommentare zu Arno Schmidt in Hamburg

Andre Möller
18. September 2011, um 18:52

Wie ist denn das Verhältnis neue Bilder/Dokumente zum (altbekannten) Text? Die zum x-ten Mal recycleten Auszüge aus Schmidts Werken mit Hamburg-Bezug (Faun, Schwarze Spiegel, AmG etc.) brauche ich nämlich wirklich nicht. / Woran sich die Frage an die Stiftung knüpfen könnte: Wann kommt mal wieder eine Edition, die auch den langjährigen Schmidt-Leser beglückt – z.B. Zettel und Entwürfe zu „Birdo’s Wald“ (falls dergleichen existiert)?

Friedhelm Rathjen
20. September 2011, um 17:19

Lieber Herr Müller, die Zettel zu „Birdo’s Wald“ sind doch schon veröffentlicht, nämlich im BA-Supplementband „Fragmente“; aus den 80 Zetteln kann man sich allerdings nur mit Maßen eine Vorstellung von dem machen, was Schmidts beabsichtigte.

Friedhelm Rathjen
20. September 2011, um 17:19

Sorry: statt „Herr Müller“ wollte ich eigentlich „Herr Möller“ tippen…

Andre Möller
20. September 2011, um 17:53

Ah! Herzlichen Dank an Herrn Rathjen! Genau dieser Band der BA fehlt mir noch … Daß man sich ein Bild von dem machen kann, was Schmidt beabsichtigte, erwarte ich natürlich nicht, bin aber auf die Zettel doch neugierig. Ein Konzept oder Handlungsgerüst gibt’s wohl nicht? Ich erinnere mich, vor Jahrhunderten mal einen Fischer-Prospekt besessen zu haben, auf dem der Buchplan bereits angekündigt wurde als „Birdo’s Wald – Der Ort, an dem man den Gestalten seiner Bücher begegnet“ oder so ähnlich. Ich müßte direkt mal nachsehen, ob ich das Ding noch finde … Die müßige Erwägung, ob der Roman am Hadrianswall in/um/bei Birdoswald spielen sollte, spare ich mir mal – bei Schmidt können solche Anspielungen ja alle möglichen Gründe haben.

Friedhelm Rathjen
21. September 2011, um 13:02

Lieber Herr Möller (diesmal doppelt überprüft!), im „Zettelkasten 16“ (Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser 2001) gibt’s einen Beitrag von Thomas Körber mit dem Titel „In Birdo´s Wald. Zu den späten Werken und Werkplänen Arno Schmidts“, der ein bißchen über das ungeschriebene Werk spekuliert. Außerdem darf ich wohl hinweisen auf den Eintrag „Hadrianswall“ in meinem Arno-Schmidt-Bildatlas „Bargfelder und die Welt“, aus dem ich den entsprechenden Passus einfach mal hierhersetze:

1955 begann Arno Schmidt mit den Vorarbeiten für ein Projekt, das zunächst den Arbeitstitel „Der Stützpunkt“ trug und spätestens bei einer kurzen Wiederaufnahme um 1975 in „Birdo’s Wald oder Das Reich des Übergangs“ umgetauft wurde. Den Materialien in Schmidts Nachlaß (Fotos, Karten, Exzerpte, Broschüren und achtzig Karteizettel) zufolge sollte der Schauplatz des Werks ein „Römisches Fort am Solway“ im 4. Jahrhundert sein, und Schmidt wollte seine „3 Jahre Norwegen verarbeiten“1. In „Luguvallium: Carlisle“2 an der Meeresbucht Solway Firth befand sich das westliche Ende des Hadrianswalls (das östliche lag an der Mündung des Tyne im heutigen Newcastle); Birdoswald (so die korrekte Schreibung) oder lateinisch Banna heißt ein teilweise erhaltenes Kastell im westlichen Drittel des Schutzwalls, mit dem die Römer sich gegen die Bewohner des heutigen Schottland abzusichern versuchten. Genauere Anhalte über die von Schmidt intendierte Handlung sind aus den hinterlassenen Materialien nicht zu gewinnen. Nach Aufgabe der Pläne hatte Schmidt offenbar vor, den Namen „Birdo’s Wald“ in „Julia, oder die Gemälde“ für den Ort zu verwenden, „wo ein Schriftsteller alle die Gestalten antrifft, die er geschaffen hat“3.

Dazu die Fußnoten:

1 Arno Schmidt, „Birdo’s Wald oder Das Reich des Übergangs“, in ders., Fragmente. Prosa, Dialoge, Essays, Autobiografisches (Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2003), S. 28-34, hier S. 30 (Zettel 27). Vgl. zu dem Vorhaben auch Thomas Körber, „In Birdo’s Wald. Zu den späten Werken und Werkplänen Arno Schmidts“, in ders. (Hg.), Zettelkasten 20. Aufsätze und Arbeiten zum Werk Arno Schmidts. Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser 2001 (Wiesenbach: Bangert & Metzler 2001), S. 9-24, hier S. 16-22.
2 Ebd., S. 33 (Zettel 65).
3 Arno Schmidt, „Die Zettel zum nicht ausgeführten Bild 16 von ‚Julia, oder die Gemälde‘“, in Jan Philipp Reemtsma / Bernd Rauschenbach (Hg.), Der Rabe. Magazin für jede Art von Literatur 12 (Zürich: Haffmans 1985), S. 112-131, hier S. 115 (Zettel 65).

Ihr Kommentar